2.07.10
Mit Traumnoten ins Finale
Faust in fünf Minuten
Die Lehrerband rockt
Zum Abschied ein Liedchen

Faust in fünf Minuten

Faust in fünf Minuten
Die Lehrerband rockt
Zum Abschied ein Liedchen

Die Lehrerband rockt

Faust in fünf Minuten
Die Lehrerband rockt
Zum Abschied ein Liedchen

Zum Abschied ein Liedchen

Schüler und Schülerinnen des Burggymnasiums zelebrieren ihr Abitur der besonderen Art

Nein – sie kommen nicht mit Deutschland-Fähnchen, trällern auch keine Uwu-Selas und schwingen erst recht nicht mit schwarz-rot-goldenen Tüchern. Dennoch scheint an diesem Tag – die Schweiz spielt gegen Honduras – südamerikanisches Temperamet die Bühne der Friedberger Stadthalle in eine weltmeisterliche Stimmung einzutauchen.

182 Schülerinnen und Schüler trainierten lange, 13 Jahre lang, unermüdlich unter heißer Friedberger Sonne und kannten auch in bitterkalten Nächten nur ein Ziel: die Hochschulreife, den Cup der Gewinner.

Dafür steht das Burggymnasium, eine Champions-League für all jene, die eben noch den Aufstieg aus der 2. Liga feierten und alsbald auf Punktejagd gingen. In 440 Einzelprüfungen – auch mündliches Abitur genannt - zogen sie sich am Ende vielleicht einige Prellungen zu, aber dafür winkte der Pokal in der härtesten Liga Friedbergs. Von 1,3 bis 3,7 reichte der Bogen und 23 Schüler teilten sich fast die Meisterschaft, bei ihnen stand – wie es in der Fachsprache so heißt – die 1 vor dem Komma.

„Ich glaube“, so Schulleiter Dr. Lothar Korger in seiner Begrüßungsrede „zur Zeit hat niemand mehr ehrenamtliche Mitarbeiter als der deutsche Fußballtrainer Jogi Löw. Jeder von uns hat einen Ratschlag, jeder weiß, wie man es besser und effizienter machen könnte, um den Weltpokal zu holen.“ Doch während nun alle Bundestrainer sind und an Tischen (und Stammtischen) darüber diskutieren, wie unsere Schüler am besten gefördert werden könnten, da erklimmen diese schon mit eigenem Spielwitz die nächste Stufe. Auf jene möchte er zählen, so Schulleiter Korger, aber gleichzeitig warnt er auch seine Schüler. Sie sollten sich davor hüten, ihr Leben jetzt nur noch nach Geld und Eigennutz auszurichten.

„Ich bitte Sie“, so sein Appell, „Ihr zukünftiges Leben nicht egoistisch, sondern solidarisch zu gestalten.“ Und: „Ist das nicht die Quintessenz aller Ethik – die Bereitschaft sich für etwas Gutes einzusetzen, auch wenn man nicht unmittelbar Nutznießer ist?“ Und: „Eine Ihrer wesentlichen Aufgaben wird sein, auf der Grundlage jener Werte, die Sie im Laufe Ihrer Jugend zu Ihren eigenen gemacht haben und noch machen werden, im Zusammenwirken mit anderen Menschen in unserem Land oder in anderen Ländern, ein menschenwürdiges Leben für alle zu sichern.“

Worte, die wirken, und als kurz danach die Schüler die Bühne betreten, mit feuchten Händen ihre Zeugnisse entgegennehmen, ihre Lehrer sie immer wieder beglückwünschen, so weiß jeder, nur gemeinsam lassen sich die wichtigen Spiele gewinnen. Gefragt ist Teamgeist, jeder sollte für den anderen da sein und Vorlagen geben und dann die Chance nutzen, das haben sich die Schülerinnen und Schüler dieses Abiturjahrgangs besonders auf ihre Fahnen geschrieben.

Biologielehrerin Dr. Dagmar Zender betritt als nächste die Bühne und beschwört den gemeinsamen Geist und bittet die Spitzenstürmer auf die Bühne. Mit dem Top-Ergebnis von 15 Punkten in ihren Disziplinen strahlen Dajana Müller, Lena Lottig, Kevin Mies, Julian Hallmann, Julia Pirzer, Katharina Haub, Alexandra Anastasijevic und Maximilian Moore.

Im Namen der Deutschen Physikalischen Gesellschaft werden geehrt: Robert Renkenberger, Carina Windhorst, Daniel Wildhirt und Andreas Schlereth. Sehr gute Leistungen im Fach Mathematik honoriert die Deutsche Mathematiker-Vereinigung und vergibt ihre Pokale an Tim Kössler, Julius Schmidt, Daniel Wildhirt und Robert Renkenberger. Die Gesellschaft deutscher Chemiker verleiht ihre Urkunde und den Buchpreis an Patrick Hartmann.

Und dann erklimmt Lothar Kreuzer vom Geschichtsverein die Bühne und ehrt besonders die Schülerin Julia Pirzer. Und Familie Hartwich feiert einen ganz besonderen Erfolg. Seit 3 Generationen besuchen die Hartwichs das Burggymnasium. Gutes vererbt sich und bleibt erhalten.

Fast ein gesamter Spielerkader steht da nun auf der Bühne, während die Schweiz sich weiter mit Honduras auf ein 0:0 zu einigen scheint.

Zur Meisterschaftsfeier heute wird nicht nur zurückgeschaut und nach vorne gedacht, sondern auch die Kunst und Konfetti gehören dazu. Der Deutschkurs von Kurt Schönewolf präsentiert Goethes Lebenswerk „Faust“ in fünf Minuten. Was wieder zeigt, dass selbst ein mühevoll zu erarbeitender Stoff echten Spitzensportlern in einer Halbzeitpause vermittelt werden kann. Der Leistungskurs von Hans Eckhard präsentiert passend zu einer harten Liga das Lied „Männer“, während Lehrerin Knobloch-Neisel mit ihrem Kurs das Burggespenst besiegt.

Bernd Ulrich, der Vorsitzende des Vereins ehemaliger Burgschüler und des Rotary-Clubs schaut auf eine gelungene Saison zurück, Lehrer Stefan Spielberger hingegen klagt darüber, noch nie in New York gewesen zu sein. Seine Lehrerrede geht über in die Hymne von Udo Jürgens und alle Abiturenten hält es nun nicht mehr auf ihren Sitzen. Sie stürmen die Bühne, singen, lachen und winken ins Eltern-Lehrer-Kellner-Publikum, so als würde ein Fernsehteam in Afrika die deutschen Fans in ihrem Block zeigen. Freude pur.

Spät am Abend hält Stefan Kissler seine Schülerrede. Seine Worte gehen fast unter, denn Fans und Hauptdarsteller (die auch ihre Eltern mitgebracht haben) haben längst die Gitarren der Lehrerband entdeckt. Mit den Riffs des ehemaligen Stürmers Keith Richards werden nicht die Engländer abgesungen, sondern es wird nun gerockt mit den Lehrerern Stefan Spielberger (Keyboard), Norbert Klein, Thorsten Weida (E-Gitarren), Arno Hesse (Bass) und Alexander Zipper am Schlagzeug.

Auch Honduras freut sich. 0:0 gegen die Schweiz. Die fahren allerdings beide nach Hause. Und genau an diesem Punkt scheinen sich die Abiturenten des Burggymnasiums von Fußball-Nationalmannschaften zu unterscheiden. Ihre Reise beginnt erst. Ob in Honduras oder in Kapstadt, ob in New York oder in Helsinki. Die Tour geht jetzt los. Und wer dann am Ende im Finale steht, die Uwu-Selas an den Doktorhut hängt und am Ende nochmal die Rede von Schulleiter Dr. Lothar Korger aus der Vitrine holt, das steht noch nicht fest. Die Spiele haben doch eben erst begonnen.