
Das Musikkorps gibt Kostproben seines Könnens.

Faszinierte Burgschülerinnen und -schüler

Robert Kuckerts im Einsatz

Erst mal Luft holen
Burgschüler besuchen das Musikkorps der Bundeswehr in Koblenz
„What a wonderful World“ schallt es durch den Raum. Und gleich darauf Gershwins „Summertime“. Das Publikum klatscht begeistert. Manche stampfen mit den Füßen auf. Es könnte leicht ein lauer Sommerabend sein, auf der Bühne das ZDF-Fernsehorchester auftreten und auf den Rängen 2000 Zuschauer der Musik lauschen. Doch weit gefehlt.
Gerade mal 15 Zuschauer haben sich an diesem Morgen um 9.00 in Koblenz eingefunden im großen Übungssaal. Und kein Fernsehsender dreht an Kameras. Nur für die Schüler des Burggymnasiums spielt das Musikkorps der Bundeswehr auf. 33 Musikerinnen und Musiker laden ein zu einer musikalischen Matinee, die bei allen großen Anklang findet. Musiklehrer Stefan Spielberger hat diese einzigartige Begegnung arrangiert. Und nun wippt er mit den Füßen, lächelt ab und an dem Dirigenten zu. Und der lächelt zurück. Den Taktstock schwingt Robert Kuckerts. Kein Unbekannter in Musikerkreisen. Einst hörte die Big Band der Bundeswehr auf sein musikalisches Kommando.
Und für Stefan Spielberger gab es ein Leben vor der Schule. Davon können sich seine Schüler heute überzeugen. Er sang in der Big Band der Bundeswehr über 15 Jahre lang und lernte die Bühnen dieser Welt kennen. Er bereiste die USA, Kanada, Spanien, Tunesien, die Ukraine, Ungarn, Italien, England, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Griechenland und Deutschland natürlich. Seine Schüler applaudieren ihm und den Musikern, die heute Morgen Noten aufleben lassen mit Trompeten, Tubas, Klarinetten, Querflöten, Geigen, Gitarren und zwei Schlagzeugen. Manchmal tritt ein Solist vor die Band und nur einen halben Meter entfernt zu den Schülern und legt ein Solo hin.
Stefan Spielberger liebt die Musik. Und die Musik ihn. Nun hofft er das hohe C bei seinen Schülern zu wecken. Manche können sich durchaus vorstellen, einmal ein Instrument in ihren Händen zu halten. Ob das bei der Bundeswehr sein wird, steht noch nicht fest. Wer sich dafür entschieden hat, der bleibt lang – manche sogar fast ihr ganzes Leben. Vier bis fünf Stunden proben die Musiker täglich. Und oftmals gehen sie auch auf Tournee.
Draußen im Lager stapeln sich Kisten und Kabel für Auftritte auf anderen Bühnen. Nach Bundeswehr und eisernem Drill sieht das alles nicht aus. Und über Politik sprechen die Musiker auch kaum oder gar nicht. Während die Schüler in der Schule über die Einsätze der Bundeswehr in Afghanistan und anderswo diskutieren, scheint hier die Welt etwas stehen geblieben zu sein. Ein Rundfunkorchester würde nicht anders spielen. Und das ist Absicht. Das Herzstück aller Musikkorps ist die Big Band der Bundeswehr. Und die hat einst Altkanzler Helmut Schmidt ins Leben gerufen. Ihr schwingender Notenschlüssel sollte ein anderes, ein friedliches Bild zeichnen einer Wehr, die Herzen erobern und nicht mit Marschmusik und einstudierten Schritten Angst einflößen will.
Am Nachmittag folgt der musikalische Höhepunkt. Lehrer Spielberger stimmt sich ein und tritt mit allen Musikern zusammen auf. Gemeinsam zelebrieren sie den Schlussakkord. Schulleiter Dr. Lothar Korger war bestimmt neidisch auf seine Schüler. Und dann steigen alle wieder in den Bus. Musiklehrer Spielberg schaut aus dem Fenster und sieht für eine Weile gar nicht mehr nach einem Lehrer aus. Sondern träumt im Bus wohl immer noch von einer Welt, in der die Harmonie die besten Noten schreiben könnte. Auch wenn es aus dem Busfenster momentan so gar nicht nach „Summertime“ aussieht.