Das Fach Ethik

Als Alternative zum Unterrichtsfach Religion bietet das Burggymnasium das Fach Ethik an. Dieses wird an unserer Schule wöchentlich 2-stündig unterrichtet.

 

Viele Schüler, die diese Option wählen, fragen sich zuweilen: „Wozu soll Ethik eigentlich ‚gut’ sein?“

Ethik nimmt sich – überfliegt man den traditionellen Fächerkanon – in den Augen der Schülerinnen und Schüler vordergründig als Marginalie, als scheinbare Muse aus, verbunden mit der Vorstellung: „Naja, wenn ich gut reden kann, werde ich schon eine gute Note dafür bekommen ...“

 

Diesem, oft landläufigen Image versuchen wir, die Kolleginnen und Kollegen, durch einen Unterricht entgegenzuwirken, dem diese Einstellungen ganz und gar nicht ent-sprechen: Ethik, mit seinen nur scheinbar anspruchslosen Anforderungen versteht sich – ganz im Gegenteil – in seiner Dimension als fächerübergreifendes Lehrfach, das grundsätzliche Fragen stellt, die sich – um mit Kant zu sprechen – drei Leit-fragen fokussieren:

„Wer bin ich? Was soll ich tun? Wohin gehen wir?“

 

Mit diesen Fragen ist jede Schülerin und jeder Schüler herausgefordert zunächst seine eigene Existenz zu hinterfragen, die Frage nach dem Sinn des Lebens zu stellen, alternative Lebensentwürfe und Menschenbilder kennen zu lernen und zu hinterfragen, Zweifel zu formulieren, frei Kritik zu äußern; sich mit Gegenentwürfen zu Leben und Welt auseinanderzusetzen, Alternativen zu erfahren. Dabei werden sie mit Themen konfrontiert, die die Menschen zu allen Zeiten bewegten: ‚Wie ist das mit dem Gewissen? ... einem gerechten Staat? ... Gerechtigkeit für alle? ... Strafen?’ Aber auch Staatsmodelle, philosophische Leitideen wie Vernunft, Freiheit und Men-schenrechte werden vorgestellt. Mit dieser Auswahl von Themen tragen wir, die Lehrerinnen und Lehrer des Burggymnasiums, Grundsatzfragen an unsere Schülerinnen und Schüler heran, die in jungen Jahren in einer Welt scheinbar pluralistischer Werte, nach Orientierung und Leitbildern suchen. Dabei wollen wir sie dort „abholen“, wo er oder sie gerade steht und das Weltbild, das jeder von sich und von anderen hat, in Frage zu stellen.

 

Daher sind Schüler und Schülerinnen gefordert, nicht nur ‚gut’ zu reden, sondern einer gelingenden Argumentation geht zunächst die methodische und dann inhalt-liche Erschließung von Quellen voraus. Erst dann kann – darauf aufbauend und abwägend – ein eigener Standpunkt vertreten werden, der Gegenpositionen aushält oder argumentativ zu widerlegen versteht, dabei aber auch lernt mit Achtung und Toleranz gegenüber der Meinung des Anderen umzugehen. Damit trägt das Fach Ethik wesentlich zu einer individuellen Identitätsausbildung bei, mit dem Ziel als kritikfähiger und damit mündiger Bürger – entgegen allem modischen Mainstream – bestehen und im beruflichen wie im privaten Leben ernstgenommen zu werden. Erst das macht den Menschen zu einem Individuum und verleiht ihm sein eigenes Profil.

 

Für das Fach Ethik

 

Hubert Michael Ruß

(Fachvorsteher)