Transkription der Szene 'Nacht' aus J.W. Goethe, Faust. Der Tragödie erster Teil.

von Annika Gallisch

 

Wagner: Entschuldigen Sie, mein lieber Faust, aber ich hörte Sie ein griechisches Trauerspiel sprechen Allzu gerne würde ich in diesen Künsten unterwiesen werden. Denn ist es nicht die Rhetorik, durch die der Mensch begreift?

Faust: Die Kunst kann man nicht lehren.

Wagner: Ach  oft sitze ich in meinem Gelehrtenzimmer und studiere die vielen Werke über die bedeutendsten Wissenschaften. Die Erkenntnisse, die ich darüber erlange, lassen mich feststellen, dass der Mensch durch Überredung geleitet wird.

Faust: Wie verspotte ich doch diese sinnlose Gelehrsamkeit. Ihr macht es euch viel zu leicht. Anstatt selbst zu denken, raubt Ihr andern ihre Erkenntnisse. Man rekapituliert fremdes Wissen, verknüpft es mit Rhetorik und meint dadurch zu einer Erkenntnis zu gelangen, die dann auch noch den Menschen rühren soll. Doch erlangt man die wahre Erkenntnis nur aus der eigenen Seele heraus und kann ein Empfinden nur durch das Gefühl, das von Herz zu Herz dringt, vermitteln.

Wagner: Doch wird mich die Vortragskunst noch zum Erfolg bringen. Bis dahin aber muss ich die vielen geistreichen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die der Mensch erforscht hat, studieren.

Faust: Wozu müsst Ihr die Worte anderer nutzen, wenn Ihr doch eure eigenen gebrauchen könnt. Wäre es euch wirklich ernst, dann würdet Ihr nicht altes Wissen wiederholen, welches keinen Menschen auch nur im geringsten berührt.

Wagner: Ach, lieber Herr, wieso ist unser Leben so vergänglich, wo doch die Kunst so unendlich scheint. Werde ich mir je all das aneignen, was ich zu erhoffen mag? Ich wünscht mir, ich könnt’s, doch woher soll ich all die wichtigen Quellen nehmen.

Faust: Ihr schwärmt von altem, staubigem Pergament, das in den Gelehrtenregalen vermodert, und erhofft euch dabei die größten Erkenntnisse. Doch ehe es Euch nicht aus eigener Seele kommt, so ist es nichts.

Wagner: Verzeiht mir, aber ich erfreue mich so sehr daran, den Zeitgeist zu bewundern und mich in die Gedanken der großen Denker zu versetzen, die uns zu so gebildeten Individuen gemacht, uns soweit gebracht und die Welt erklärt haben.

Faust: Ach ,gar so weit. Die Welt erklärt? Der Zeitgeist kann nicht die Welt erklären. Das, was du den Zeitgeist nennst, ist nur eine Ansammlung von Wissen, was nicht die Zeit sondern nur den Geist der Herrn Gelehrten widerspiegelt. Die wenigen Menschen, die wirklich die Welt begreifen und aus ihrem Herzen sprechen, werden verfolgt, gekreuzigt oder verbannt. Es ist schon spät, wir sollten das Gespräch unterbrechen.

Wagner: Gerne hätte ich dieses Gespräch noch weitergeführt, erlaubt mir also Euch am morgigen Tag noch einige Fragen zu stellen. Denn ich will alles wissen, auch wenn ich schon viel weiß.

 

Szenen zu Woyzeck

von Andrej Tutaev

 

Szene 28

Auf der Gasse

(Woyzeck- Andres- Tambourmajor)

 

Woyzeck tritt aus seiner Wohnstube heraus. Auf der Straße trifft er Andres.

A: Hey Woyzeck, na, wie ist´s ? Was macht des Fieber ?

W: Gibt kein Fieber, nur Trauer, Angst und Einsamkeit.

A: Was redste? Hat dein Weibsbild dich verlasse?

W: Ne Andres, sie hat die Welt verlasse.

A Wie? Was? Du redest wirr. Komm, laß uns einen drinke. Das wird dir gut tun.

W: Sie ist gegangen durch meine Hand. Blut! Blut klebt an mir! Hab mich wie sie auch schuldig gemacht! Allein! Nu bin ich ganz allein. Selbst das Christiansche, mein eigen Fleisch und Blut, verabscheut mich.

Der Tambourmajor kommt die Straße entlang getorkelt.

TM: Sie ist tot. Tot! Abgestoche wie ein Schwein! Das arme, geile Stück! Woyzeck, du Hurensohn! Du krankes Schwein hast sie abgeschlachtet.

A: Marie- tot? Woyzeck, was haste getan? Nun bist de ganz allein.

Woyzeck fängt an zu zittern. Der Tambourmajor tritt langsam auf ihn zu mit geballten Fäusten. Woyzeck bemächtigt sich des Dolches des Tambourmajors, der durch seinen hohen Alkoholkonsums kaum auf den Beinen stehen kann.

TM: Dir werd ich die Seele aus deinem gottverdammten Leib prügeln!

Woyzeck hält den Tambourmajor zitternd auf Distanz. Ein Fenster öffnet sich. Magreth, die Nachbarin, schaut gebannt auf das Spektakel herab.

W: Die ganze Welt ist ein Getriebe tierischer Begierde. Schlecht, schlecht sind wir Alle! Arme wie Reiche! Ach, und allein bin ich auf dieser schlechten Welt.

Oh, sie kommen mich holen! Es geht hinter mir, unter mir! Sie sind da! Adieu, du verdorbene Welt!

Woyzeck stürzt sich in den Dolch.

TM: (verächtlich) Hat´s nicht anders verdient,- ein Schweinehund weniger auf dieser gottverdammten Welt.

Andres blickt sprachlos auf die Leiche herab. Magreth schließt das Fenster mit den Worten:

M: Das ist mal was besondres in unsrem tristen Kaff! Ein schönes Drama, ein ächtes Drama.

(von Ann-Christin Hummel)

 

Szene 28

Wirtshaus

Woyzeck und Tambourmajor

 

WOYZECK: Du!

TAMBOURMAJOR: Was willste, Kerl? Haste ney genuch auf de Wanzt bekomme?

WOYZECK: Du!

TAMBOURMAJOR: Du.Du.Du. Als am Stottern. Was is er fürn Mann?

WOYZECK: Nu ists geschehen.

TAMBOURMAJOR: Was red er fürn Zeug? Ich sollt den Doctor holen.

WOYZECK: 'S ist zu spät.

TAMBOURMAJOR: Vielleicht weiß er Rat.

WOYZECK: Immer zu! Doch 's ist zu spät.

TAMBOURMAJOR: Soll er doch weiter spinnen. Ich verschwind!

WOYZECK: Ja. Verschwind! Alle solln se verschwinden. 'S ist ja doch zu spät!

 

 

Szene 21

Woyzeck allein

Woyzeck: Musik! Lauter! Sie wird lauter! Die Zickwolfin ist tot! Ich war’s nit! Musik immer zu! Was soll ich tun? (sinkt auf die Knie) Was soll ich tun? Wo ist Marie? Immer lauter! Ich muss fort. Fort!

(Bastian Radewaldt und Vanessa Philipp)

 

 

 

Auf der Straße

Woyzeck, der Tambourmajor

Woyzeck: "Immerzu, immerzu. So, Tamburmajor, wo bist Du? Verloren haste dein tanzend Weib!

Marie ist tot. Kann jetzt immerzu in der Hölle tanzen. Verloren hab ich se.

Stimmen flüstern Jetzt bist Du dran. Tanzt immerzu gemeinsam in der Höll. Gleich ist's soweit, dann kommste zu deinem Weib."

Woyzeck erreicht die Stube des Tamburmajors und klopft an die Tür

W: "Herr Major, Herr Major!"

TM: "Was willsten? Haste wieder gesoffe? Hau ab!"

W: "Kommen Sie mit. Herr Major.... Marie..."

Der TM wird hellhörig, als er Maries Namen hört

TM: "Marie? Was ist mit ihr? Is' ihr was passiert? Nun red endlich, wenn de schon sonst nix kannst, Woyzeck!"

W: "Kommens mit, brauch Hilfe."

Woyzeck und der Tamburmajor gehen zu der Stelle, an der Woyzeck Marie erstochen hat.

TM: "Marie!! Marie!!  Er kniet sich zu ihr

W: "Stimmen flüstern. Es ist soweit"

Er tritt dem Tamburmajor ins Genick

W: "Bewusstlos liegste neben deim tanzend Weib. Hier gehörste hin!

Die Stimmen. Sie flüstern mir zu."

Woyzeck nimmt einen Stein und erschlägt den Tamburmajor.

Abfällig blickt er auf die beiden Toten

W: "Tanzt zusammen in der Höll. Immerzu, immerzu!"

Woyzeck wendet sich ab und geht schwankend weg.

(von Carlina Buchert)

 

18

Auf dem Weg  

Diese Szene findet kurz vor Woyzecks Angriff auf Marie statt)

Woyzeck: Immer zu, immer zu!

                 S´ muss getan werde. S´ is der einz´ge Weg. Sie muss bestraft werde.

                 Stich zu, Stich zu! S´ is dey Aufgab!

Marie: Franz, was is los? Was zerrste mich so spät Richtung Felde?

Woyzeck: S´ is Zeit! S´ is Zeit! S´ muss getan werde.

Marie: Franz du red´st im Fieber.

           Komm! Lass nach Haus gehn. Du brauchst Ruh!

Woyzeck: Immer zu! Immer zu!

Marie: was redst du?

Woyzeck: Du weißt´s genau. Gibs zu, du alte Hur lässt dich anpacke vom Tambourmajor.

Marie: Franz, Still!

Woyzeck: Habs doch geseh! Hab zwei Aug im Kopp.

Marie: Und wenn auch, dann seys halt so.

            Du musst dich ausruh!

 

(Von Saeeda Anwar und Lisa Jagadic)

 

 

 

 Szene nach der Ermordung

 Woyzeck und Tambour-Major

Woyzeck: Was ist´s in mich gefahren?

                  Tot! Tot ist se nu!

                   Da, da kommt er de Hurensohn!

Tambour-Major: Ai, wen ham mer denn da?

                            Hast´s noch nit genug bekomme?

Woyzeck: Ke Ahnung, ke Ahnung hast´de!

                  Dei Weibsbild is fort!

                 Ganz recht, fort is se!

Tambour-Major: Redst wieder wirr Zeug, ka Wunder,

                            des dei Weib´s nit mit dir aushält!

                            Die bräucht en richtige Kerl!

                            En Kerl wie mich!

Woyzeck: Red du nur, du wirst´s schon sehe!

 

 

Szene nach dem Mord

Woyzeck und Andres

(Woyzeck läuft in den Wald und begegnet  Andreas)

Woyzek erschrocken: Ach, Andreas!

Andres: Woyzeck, was bist so blass?

Woyzeck: Tot, tot….. Was ist tot? Übergang zu einer anderen Dimension? Weiß nit…

Andres: Woyzeck, was ist denn los? Was redest du da?

Woyzeck: Sie ist tot, Andres…

Andres: Wer ist tot? Was ist passiert?

Woyzeck: `S ging nit anders!

Andres:  Sag schon, was los!

Woyzeck: I…Ich…. Ich hab sie….

Andres: Was?

Woyzeck: Andres, ich kann nit mehr….

Andres: Woyzeck, sag schon, was hast du?

Woyzeck: Nix. Ich muss fort!

Andres: Franz!!!

Woyzeck: Weg…weg…. Nur weg hier…..wohin? weiß nit! Nur weg…

(von Andrej Tutaev)

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