Segen und Fluch der Aufklärung

Ein Essay von Lisa Krieg

     

Durch Karl Jaspers Erörterung der wahren und falschen Aufklärung werden einem zwei unterschiedliche Sichtweisen  näher gebracht bzw. die Vor- und Nachteile nach der Frage der richtigen oder falschen Aufklärung klar.

Jasper will mithilfe seines Textes erreichen, dass die Menschen sich ihrer Taten bewusst werden, nicht ohne alles zu hinterfragen die angebliche Wahrheit annehmen. Man solle gegen das Verbot des eingeschränkten Fragens und Forschens verstoßen und stattdessen die Wege zur Einsicht suchen. Jedoch könne die Aufklärung auch falsch verstanden werden, sie könne die Überlieferung zerstören auf der alles Leben ruhe und den Nihilismus zur Folge haben. Das bedeute eine Unordnung und Anarchie und mache den Menschen unselig. Außerdem seien die Theorien der Aufklärung nur in Bezug auf den isolierten, einzelnen Mensch bezogen und nicht auf das tägliche Zusammenleben in der Masse. Die wahre Aufklärung zeige dem freien Denken und Fragen eine Grenze, wird sich aber ihrer Faktischen bewusst. Man dürfe nicht das Wesen des Verstandes mit dem Gehalt des Menschseins verwechseln und gleichsetzen.

Meine Sichtweise der Dinge ist, dass dieses endlose Hinterfragen und das Suchen nach Beweisen völlig übertrieben wird. Fragen zu stellen und Beweise zu überprüfen ist menschlich, da der Mensch sehr neugierig und interessiert an seiner Umwelt ist, besonders in Bezug auf Neues und Ungeklärtes. Jedoch kann niemand, da wir alle Menschen mit Fehlern  sind, darauf eine richtige Antwort geben. Wer bestimmt auf unserer Erde überhaupt über richtig und falsch? Es liegt wohl im Auge des Individuums Mensch.

Ich denke, es gibt weder ein richtig noch ein falsch, noch ein eindeutiges gut oder schlecht. Aber wenn wir diese Begriffe nicht in unseren Alltag integriert hätten, so wäre ein Zusammenleben umso konfliktbehafteter, da Menschen sich auf gewisse Normen und Werte einigen müssen, um überhaupt auf solch engem Raum jeden Tag mit einander  kommunizieren und kooperieren zu können ohne dass tägliche Gewalt den Tag bestimmt. Denn wenn es keine Regeln, Gesetze und Pflichten gäbe, hätte der Mensch auch nicht die Verantwortung vor seinem Gewissen, wie wir sie normalerweise haben. Generell ist es sehr kompliziert in das geregelte Zusammenleben der Menschheit einzugreifen, weil der Mensch sich schnell an Gegebenheiten gewöhnt und meist zu träge ist, um etwas Unbekanntes zuzulassen. Dies ist nicht verwunderlich, da es immer einfacher ist sich dumm zu stellen und wegzuschauen als sich mit dem Problem zu beschäftigen. Außerdem möchte sich jeder Mensch der Verantwortung entziehen, die zweifelsohne auf ihm lastet. Es ist sehr bedauerlich, dass der Mensch derart blind auf der Welt umherläuft und aus Angst vor Veränderung, welche natürlich Verbesserung wie Verschlechterung seiner Umstände bedeuten kann, im gewohnten Schema bleibt und stagniert. Jedoch gilt dieses nicht für alle Menschen, doch jene, die sich gegen das Gewohnte auflehnen und für ihre Überzeugung kämpfen, werden seltsam beäugt und man erklärt sie für verrückt oder besessen. Ein Beispiel wäre die Organisation Green Peace, in deren Fall sich die Umweltaktivisten auf die Bäume setzen, die zur Rodung vorgesehen sind. Sie kämpfen für das, was sie als Unrecht empfinden und lassen sich nicht von ihrer Meinung und ihrem Kampf von der Masse abbringen, welches eigentlich wahre Stärke und Entschlossenheit zeigt. Wir, die nur dies tun wie viele Millionen Menschen vor uns, sind keine direkte Bereicherung für unsere Umwelt, Kultur und generell unser Umfeld.

Wir sollten uns wirklich jeder Begegnung, jedem Ereignis, einfach allem in unserem Leben bewusst werden und das Leben schätzen. Das höchste Ziel unseres Lebens sollte sein, eine Bereicherung für die Menschheit zu sein bzw. Verbesserung der kritischen Umstände zu schaffen.

Zur Frage, was Aufklärung heute ist

von Florian Hermann

 

Aufklärung ist die Aufgabe des Menschen sich selbst und seine Umwelt sowohl sozialkritisch als auch zukunftsorientiert zu hinterfragen. Sollte jemand diese Aufgabe ignorieren, so macht er dies entweder durch ein fehlendes Bewusstsein seiner Rolle für die Gesellschaft oder aus dem fehlenden Mut heraus, sich mit den nahen und fernen, den wichtigen und nichtigen Problemen auseinanderzusetzen. Diesen Ignoranten, sowohl denjenigen, denen es an Weitsicht und Verstand mangelt, aber um so mehr denen, die trotz der Kenntnis von der nahenden Apokalypse und sozialer Ungerechtigkeit wegschauen, ist ihre Trägheit Dinge zu ändern und ihre Scheu vor der Veränderung, resultierend aus der alles überschattenden Verdummung und der Naivität des Menschen, in höchstem Maße vorzuwerfen. Mit träumerischem Blick durch das unübersehbare Übel zu schauen, entbindet den Menschen scheinbar von seiner Pflicht zu denken oder zu handeln, zeigt  jedoch einfach seine teils unterentwickelte Eigenständigkeit, sich dem Wandel zuzutun. "Change we need" könnte die Parole sein, die sich mutige Menschen auf die Fahnen schreiben, wenn sie versuchen, die Aufklärung in die Welt zu tragen. Das oberste Gut hierfür ist es, seine egozentrischen Ideale zu verlassen und in eine allgemeine, rationale und gerechte Wahrnehmung überzugehen. Wenn denn nun jemand fragt, ob wir in einem aufgeklärten Zeitalter leben, so lautet die Antwort: Nein, aber wohl in einem Zeitalter der Aufklärung, denn das Wissen, dass ein Ändern der bisherigen Lebenssicht notwendig ist, dieses besitzen fast alle Menschen, die nicht von dubiosen Quellen verblendet sind. Einige wenige nutzen ihr Wissen bereits; hoffen wir, dass aus wenigen viele werden.

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Leben wir in einem aufgeklärten Zeitalter?

von Jenny Brand

 

Ich erörtere zu der Problematik, ob wir im 21.Jahrhundert in einem aufgeklärten Zeitalter leben. Um diese Frage beantworten zu könne, ob „wir“ in einem in einem aufgeklärten Zeitalter leben muss zunächst geklärt werden wer „wir“ sind.  Für diese Erörterung möchte ich die Frage nach „wir“ auf Menschen in  Westeuropa beschränken.

Für das aufgeklärte Zeitalter spricht, dass es die freie Presse gibt und jeder das Recht auf eigene Meinung hat. Außerdem haben wir z.B. das Internet das den Zugriff auf Informationen ermöglicht, so dass wir frei forschen  können. Menschen hinterfragen alte Überzeugungen, z.B. den religiösen Schöpfungsmhythos und suchen nach neuen Antworten (Evolutionstheorie). Gegen ein aufgeklärtes Zeitalter spricht, dass der Zugriff auf Informationen häufig begrenzt ist. Oft gab es Diktaturen, zur Zeit nicht in Westeuropa, aber im Iran etc. gibt es noch Diktaturherrschaften. Heutzutage glauben die meisten Menschen trotzdem noch was ihnen vorgesetzt wird. Wie viele Leser hat die Bild-Zeitung? Sind die aufgeklärt? Wie viele Menschen glauben die Schlagzeile ohne sich eigene Gedanken darüber zu machen. Auch viele Jugendliche sind nicht aufgeklärt. Selbst denken ist out! Ein großer Anteil der Jugend fühlt sich in seinem sozialen Umfeld unsicher und wenn der Freundeskreis von einem etwas erwartet, macht man es meistens, um nicht sozial ausgegrenzt zu werden, über die Tat oder die Konsequenzen wird nicht nachgedacht.

Die meisten Kinder, die aufgrund der aktuellen Situation (Patch-Work, Scheidung, Hartz IV und schlechtes Umfeld) entweder psychisch am Ende sind, aufgrund der häuslichen Belastung oder verkümmert sind haben keine Möglichkeit, sich richtig zu entwickeln und mündig zu werden. Wie ein passender Spruch sagt: Man wird nicht dumm geboren, man wird nur dumm gemacht. Außerdem gegen das aufgeklärte Zeitalter spricht, dass sich nicht alles beweisen oder hinterfragen lässt - die Intuition der Mutter, wenn ihr Kind Hilfe braucht, den Schmerz des Zwillings spüren und allgemein Gefühle lassen sich nicht beweisen.

Ich finde wir leben nicht in einem aufgeklärten Zeitalter, aber wie Kant schon formulierte, in einem Zeitalter der Aufklärung, denn die Menschheit macht Fortschritte.

Es ist gut aufgeklärt zu sein, vieles zu hinterfragen und einiges zu erforschen. Es macht den Menschen zu einem Individuum, das selbstständig denken kann. Doch sollte der Mensch nicht alles hinterfragen und in Zweifel stellen, denn wenn man das tut verzweifelt man. Keiner würde mehr einem anderen vertrauen  und es würden sogar die lieben Worte einer Mutter nicht mehr geglaubt werden. Die Menschheit sollte die Mittel haben sich aufzuklären, sollte aber eigenständig denken und wissen, wann es genug ist!

 

Reflexionen zur Aufklärung

von Elisabeth Dodo

 

In der folgenden Arbeit möchte ich erörtern, ob wir, d.h. die Menschen in West-Deutschland im Jahre 2010, in einem aufgeklärten Zeitalter oder einem Zeitalter der Aufklärung leben, und ob Aufklärung nun Segen oder Fluch darstellt.

Nach Immanuel Kant ist die Aufklärung wie folgt definiert: ,,Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.g

Anhand dieser Definition gelange ich zu der Erkenntnis, dass der Mensch durchaus in der Lage ist, selbst zu denken, Mündigkeit zu erlangen, welche schließlich zur Aufklärung führt. Die Mündigkeit gilt als Grundvoraussetzung für die Aufklärung.

Nun gilt es aber festzustellen, ob wir nun in einem aufgeklärten oder einem Zeitalter der Aufklärung leben.

In einem aufgeklärten Zeitalter zu leben bedeutet, dass der Vorgang der Aufklärung bereits vollständig abgeschlossen ist, und somit keiner weiteren Steigerung, was das selbstständige Denken in sich schließt, mehr bedarf.

Für ein aufgeklärtes Zeitalter spricht beispielsweise das Grundgesetz, in welchem die Gleichheit und Gleichberechtigung und damit auch die Meinungsfreiheit eines jeden Einzelnen verankert ist und gleichzeitig das selbstständige Denken und die damit verbundene Mündigkeit und Aufklärung erkennt. Dem Einzelnen ist es freigestellt, das Recht seiner Mündigkeit in Anspruch oder nicht in Anspruch zu nehmen.

Dagegen spricht allerdings, dass unsere Gesellschaft und auch das Gesetz auch Regeln und Grundsätze vorgeben, nach welchen wir uns zu richten haben. Zudem ist die Frage, ob es uns gestattet ist , das Gesetz in irgendwelcher Form anzuzweifeln, womit es uns also untersagt ist, über dessen Richtigkeit selbst nachzudenken.

Ein weiterer Aspekt ist, dass die Forschung und Wissenschaft in stetigem Fortschritt steht. Dies zeigt sich beispielsweise in der Erfindung und stetigen Verbesserung bzw. Weiterentwicklung der Technik und Industrie, wie Computer, Internet, Fernsehapparate, sowie technischer Maschinen aller Art.

Zudem stehen wir unter ständigem Einfluss der Medien, welche uns durch Werbung zur Unterdrückung unseres eigenen Denkens zu zwingen versuchen, um ihr Produkt ,,an den Mann bringen zu können.g

Auch das Führen von Kriegen spricht gegen ein aufgeklärtes Zeitalter, da die Kriegsführer nicht selbst über die Richtigkeit und Konsequenzen eines Krieges nachzudenken scheinen.

So scheinen die negativen Aspekte zu überwiegen und eindeutig gegen ein aufgeklärtes Zeitalter zu sprechen, was wiederum für ein Zeitalter der Aufklärung sprechen.

Nun gilt es noch die Frage zu klären, ob Aufklärung Segen oder Fluch darstellt. Nun, Aufklärung, das freie selbstständige Denken, stellt durchaus Segen dar, da einem dadurch die Möglichkeit gegeben ist, Wahrheit, Unwahrheit, Hintergründe und Erklärungen und auch seine eigene Position zu Sachverhalten herauszufinden.

Was aber, wenn die Erkenntnisse, die man durch den Segen der Aufklärung macht, von Furcht, Schrecken und Erschütterung geprägt sind, sogar eine schmerzliche seelische Belastung darstellen? Dann bedeutet Aufklärung Fluch. Denn bliebe man unaufgeklärt, müsste man in diesen Fällen keine schmerzlichen Erfahrungen machen.

Somit gelange ich zu dem Schluss, dass wir in einem Zeitalter der Aufklärung leben, da die Aufklärung noch im Gange ist. Zudem stellt die Aufklärung Segen und Fluch zugleich dar. Ob nun Segen oder Fluch überwiegt, gilt dem Einzelnen selbst zu entscheiden, da jeder Einzelne ein Individuum darstellt und über unterschiedliche Ansichten verfügt, die durch positive sowie negative Erfahrungen und Erkenntnisse geprägt sein können. 

 

Gedanken zu ?Der Ausflug ins Gebirge? von Franz Kafka

von Katja Kraus

Es ist Montag Abend, 20:00 Uhr und ich sitze nun hier und brüte über einem kurzen Text, verfasst von Franz Kafka. Obschon es wahrhaftig ein sehr kurzes Werk ist, ( einfach zu verstehen, möchte man daraus vielleicht schließen), ergeben die Worte, welche ich wieder und wieder lese, für mich keinen tieferen Sinn.  In meinem Kopf formen sich Fragen über Fragen, ihre Vielfalt würde, schriebe man sie nieder, die Länge des Textes, welcher mir solches Kopfzerbrechen bereitet, bei weitem übertreffen. Und dennoch ; obgleich sich mir die Bedeutung noch nicht erschließen mag, beschleicht mich das Gefühl, dass sich hinter dem soeben Gelesenen etwas Großes, möglicherweise sogar  Wertvolles verbirgt, die Geschichte eines Menschen? Ein Rat des Autors an all jene, welche seinen Text zu entschlüsseln vermögen gar?  Was auch immer es sein mag, ein Autor, welcher so viel Herzblut in sein Werk mit einfließen lässt, wird dies nicht ohne Leidenschaft tun ,ohne eine  Botschaft vermitteln zu wollen  und selbige zu entschlüsseln habe ich mir nun als Ziel gesetzt. Sogleich ziehe ich aus der schier unendlich scheinenden Flut meiner Fragen diejenige  heraus, welche mir dafür geeignet scheint, durch ihre Beantwortung  viele Ungereimtheiten klarer erscheinen zu lassen: „Wer ist eigentlich dieser „Niemand“, von dem fortwährend gesprochen wird? Oder „Wer SIND diese „Niemand“? Oder auch „Was“?“  Bei genauerer Betrachtung fällt mir auf, dass ab etwa der Mitte des Textes „Niemand“ als Bezeichnung für eine, beziehungsweise mehrere, unbekannte Personen verwendet wird, es hat also ganz deutlich eine Personifikation des Begriffes stattgefunden, wodurch sich mir bereits  erste weiterführende Gedankengänge  erschließen: Sind diese „Niemand“, von welchen der Monologführer spricht, bereits von Anfang an als Personen zu betrachten, oder hat diese Umwandlung des Begriffes erst im Laufe des Stückes stattgefunden?  Welche Bedeutung hätte dies für meine weiteren Interpretationsansätze? Wenn man erneut nicht weiter weiß, fängt man am Besten noch einmal von vorne an. Dieser Devise folge ich und beschäftige mich mit den ersten Sätzen. Von einer „Stimme ohne Klang“ ist da die Rede und davon, dass der Monologführer [„Nichts wisse.“]. Ist er etwa stumm? Oder ist diese Stimme eher in metaphorischem Sinne aufzufassen. Es wird gesprochen, doch der Sprecher erreicht niemanden, wird von keinem in seinem Umfeld wahrgenommen oder erhört…Ich entscheide mich für Zweiteres und komme zu dem Schluss, dass auch die Person im Text wohl einiges, was in ihrem Umfeld geschieht, nicht so recht verstehen kann. In meinen Augen fragt sie nach dem „Warum“. Warum kann sie die Menschen um sich herum nicht erreichen, nicht verstehen, warum wird sie von diesen nicht wahrgenommen? Sie hat ihnen nichts getan, niemand hat ihr etwas getan und doch ist niemand für sie da, wenn sie Hilfe braucht, alleine ist, verzweifelt. Man könnte meinen, dass die Person sich verlassen fühlt, einsam und allein gelassen mit sich selbst, sich nach Nähe und Geborgenheit Anderer sehnt; dieser Eindruck verschwindet jedoch, sofern man den folgenden Satz in gleicher Weise interpretiert, wie ich es tat: „Nur dass mir niemand hilft-, sonst wäre lauter Niemand hübsch.“. Hier erkenne ich einen Bruch, welcher  mir die Freiheit, die davor gesprochenen Worte als Sehnsucht nach Wärme auszulegen, verwehrt.m Für mich wird ganz klar, dass dieser Mensch in seinen eigenen Augen niemanden um sich herum braucht, sofern er in einer bestimmten Situation keine Hilfe benötigt. Es drängt sich mir das Bild eines Menschen auf, welcher mehr Einzelgänger ist als gesellschaftsliebend. Zwischenmenschliche Beziehung gehört nicht zu den Dingen, nach denen er sich sehnt, einen schönen Ausflug ins Gebirge mit „lauter Niemand“, also kurzum, alleine, ohne physisch anwesende Gesellschaft, zu tätigen, stellt für ihn eine Freude dar. Er wandert durch dieses Gebirge und bewundert die Schönheit der Natur, umgeben von einer Schar nicht anwesender Personen, stellt sich diese Gesellschaft vor, wie die Personen aussähen, sich aneinanderdrängten in ihren feinen Fräcken, und genießt  neben der Geselligkeit zugleich die Freiheit, welche er empfindet, sobald der Wind ihn sanft umstreicht und die um so vieles größer ist in dieser Stille, dieser Ungestörtheit, welche von einfach niemandem unterbrochen wird.  Das beschriebene Hochgefühl, die Euphorie, welche er alleine empfindet, lässt mich an dem Punkt anknüpfen, welchen ich bereits angesprochen habe: Dieser Mensch ist wahrscheinlich eher ungeübt im Umgang mit realen Personen, würde sich von ihrer Gegenwart eingeengt fühlen und könnte im Umkehrschluss diese wunderbaren Momente mit niemandem teilen.

Es ist ein fantastisches Bild, welches sich nun vor meinen Augen abzeichnet und ich bin überwältigt, welche  Wirkung dieser anfangs so schlicht und rätselhaft erscheinende Text auf mich ausübt. Es ist nun genau 21:52, ich bin erschöpft, aber dennoch nicht genervt oder dergleichen. Die Entschlüsselung dessen, was für mich  anfangs mehr Rätsel als Aussage war, hat mich zufrieden gemacht. Manchmal muss man eben doch genauer hinsehen, um die tiefer liegende Aussage und die damit verbundene Faszination eines Textes verstehen zu können und in vielen  Fällen zahlt sich dies, wie ich wieder einmal erkennen durfte, auch wahrlich aus.

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Gedanken zu der Fabel ?Ausflug ins Gebirge? von Franz Kafka

von Sonja Graßhoff

»Ich weiß nicht«, rief ich ohne Klang, »ich weiß ja nicht. Wenn niemand kommt, dann kommt eben niemand. Ich habe niemandem etwas Böses getan, niemand hat mir etwas Böses getan, niemand aber will mir helfen. Lauter niemand. Aber so ist es doch nicht. Nur daß mir niemand hilft -, sonst wäre lauter Niemand hübsch. Ich würde ganz gern — warum denn nicht — einen Ausflug mit einer Gesellschaft von lauter Niemand machen. Natürlich ins Gebirge, wohin denn sonst? Wie sich diese Niemand aneinanderdringen, diese vielen quergestreckten und eingehängten Arme, diese vielen Füße, durch winzige Schritte getrennt! Versteht sich, daß alle in Frack sind. Wir gehen so lala, der Wind fährt durch die Lücken, die wir und unsere Gliedmaßen offen lassen. Die Hälse werden im Gebirge frei! Es ist ein Wunder, daß wir nicht singen.«

(Franz Kafka)

Das kurze literarische Werk „Der Ausflug ins Gebirge“ von Franz Kafka ist in Form eines Monologes geschrieben.

Der Inhalt bezieht sich auf eine Person, die behauptet, dass ihr niemand helfen möchte, ein Ausflug mit lauter niemand jedoch schön sei.

Das Wort „niemand“ spielt in der Fabel die tragende Rolle. Dies erkennt man schon daran, dass es innerhalb der dreizehn Zeilen langen Fabel zehnmal verwendet wurde.

Ebenso kann man gut erkennen, dass das Werk in zwei Teile gegliedert ist.

Der erste Teil (Zeile 1-5) bezieht sich auf die negativen Seiten des Niemandseins. Der Erzähler braucht Hilfe aber niemand kommt. „Niemand aber will helfen.“ Ebenso ist die Gleichgültigkeit, mit der der Erzähler dies vermittelt, zu erkennen. So beginnt er mit dem Satz „Ich weiß nicht, ich weiß ja nicht.“ Allein die Worte „Ich weiß ja nicht“ drücken so eine enorme Teilnahmslosigkeit aus, das man von dem zweiten Satz nur noch erschüttert sein kann. „Wenn niemand kommt, dann kommt eben niemand.“ sagt eine Person, die Hilfe braucht!?

Ich denke, dass sich der erste Teil der Fabel sehr gut auf unser Leben beziehen lässt. Die große Anonymität unter den Menschen, das mangelnde Interesse an unseren Mitmenschen und die teilweise vorhandene Kaltherzigkeit unter den Menschen werden in diesen fünf Zeilen perfekt widergegeben. Es gibt viel zu viele niemande, die sich genau durch die dargestellte Gleichgültigkeit auszeichnen und zu wenige jemande, die hilfsbereit, mitfühlend und an anderen interessiert sind.

Dadurch, dass Kafka immer nur von niemand spricht, ist auch klar, dass nicht auf die Besonderheiten eines Individuums eingegangen wird. Die Fabel hat somit in dem ersten Teil einen belehrenden Charakter.

Im zweiten Teil des Werkes (Zeile 5-13) ändert sich die Perspektive des Erzählers. Er verlässt den Pfad der negativen Seiten des Niemandseins und erzählt von einem schönen Spaziergang mit lauter niemanden. Dieser Übergang ist meiner Meinung nach perfekt inszeniert, da dieser Wandel eigentlich nur durch ein Wort eingeleitet wird. „Nur daß mir niemand hilft-, sonst wäre lauter Niemand hübsch.“ Durch das Wort „nur“, welches in diesem Satz auch wieder so eine Gleichgültigkeit ausstrahlt, ändert sich alles. Auf einmal zeigt sich eine Verbindung, sogar eine Nähe zwischen den Niemanden, denn der Erzähler stellt sich einen Spaziergang mit lauter niemanden vor. „Wie sich diese Niemand aneinanderdrängen“ zeigt sogar eine körperliche Nähe. Dies ist eine enorme Veränderung. Zu Beginn ist der Erzähler allein und niemand hilft ihm und dann kann er sich solch eine Nähe vorstellen, und empfindet dies als etwas Gutes, ja sogar als etwas Befreiendes ,würde ich behaupten, da „die Hälse“ „im Gebirge“ freiwerden und es „ein Wunder ist“, dass sie nicht singen.

Das Wort „wir“, welches im letzten Satz verwendet wird, zeigt einen Zusammenhalt und eine Zusammengehörigkeit, die es unter niemanden, also unbekannten, gleichgültigen Menschen nicht geben kann. Aus den Niemanden hat sich eine Bekanntschaft entwickelt. Vielleicht sogar Freundschaft.

Nun sind manche niemand für andere niemand jemand.

Ich denke, dass Kafka genau wusste, wie man die Anonymität beseitigt und meiner Meinung nach hat er uns, was untypisch für seine Fabeln ist, einen Weg gezeigt, sie zu bekämpfen.

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Persönliche Reflexion über den Sinn oder Unsinn der Lektüre von Goethes ?Faust. Der Tragödie erster Teil? im Unterricht der gymnasialen Oberstufe

von Julia Katzenski

Goethes „Faust“ ist ganz einfach eine Erzählung aus dem Leben. Die Figur Faust, das sind wir alle, jeder Einzelne von uns ist Faust, denn dieser repräsentiert die Menschheit.

Magarete verkörpert in meinen Augen die Leidenschaft, die Liebe und damit auch die Schwäche, den wunden Punkt, den jeder von uns in sich trägt.

Mephisto ist zum Einen unsere böse Seite, zum Anderen steht er für jeden Menschen, der uns manipuliert, dem wir gehorchen, obwohl wir es nicht sollten. Mephisto ist der Weg, der an unsrem Ziel vorbeiführt, den wir aber gehen müssen um zu merken, dass wir umkehren müssen. Thomas Edison kannte unglaublich viele Wege, wie man eine Glühbirne baut, die am Ende nicht funktioniert, er musste all diese Wege gehen, um den richtigen finden zu können.

Mephisto ist der Pol, der uns in die falsche Richtung zieht, da er aber nur ein Teil des Ganzen ist und dem Herrn, also dem Pol, der uns irgendwann auf die richtige Fährte lockt, unterlegen ist, kann er eigentlich nicht siegen.

Fausts Schwäche ist seine Unermüdlichkeit. Damit ist der Ansatzpunkt für Mephisto geschaffen, der ihm nun das ganze Leben zeigen will, mit Frauen, Orgien, Liebe, Leid und allem, was dazu gehört.

Wir alle haben einen schwachen Punkt und damit sind wir alle anfällig, auf den falschen Weg gelockt zu werden.

Wir alle sind den Gefühlen unterlegen und am Ende, wenn unser Herz gebrochen wurde.

Wir alle stehen jeden Tag auf, weil irgendwo in uns die Hoffnung wohnt, das Richtige zu tun und wir alle streben nach Momenten des Glücks, der Zufriedenheit, der Genugtuung.

Genau dieses Streben und genau diese Hoffnung lässt uns all das überstehen, was uns traurig macht, woran wir scheitern, woran wir zunächst meinen, zugrunde zu gehen, es uns aber am Ende nur stärker machte.

Wären wir nie traurig, gäbe es nie Aufgaben, scheinbar unlösbare Probleme (verursacht durch Mephisto), es gäbe keinen Grund stolz zu sein, Glück zu empfinden, Trost zu genießen, falsche Wege zu gehen, die aber nötig sind, um irgendwann auf den richtigen zu stoßen.

Wir müssen also das Falsche, den Mephisto in unserem Leben akzeptieren, wir dürfen uns nur nicht kampflos unterwerfen.

Goethes Tragödie „Faust“ bietet keine Ideale, weder Personen noch Charaktereigenschaften, Goethe bedient sich auch keiner Verbesserungsvorschläge oder Idealisierungen, er stellt lediglich dar, wie das Leben ist.

Was man daraus macht, bleibt jedem selbst überlassen.

Dieses Werk sollte man in meinen Augen nicht lesen, um anschließend über Versmaß oder  Rhythmus zu sprechen. Klar ist, es ist ein dichterisches Meisterwerk. Dieses Werk sollte man lesen, um sagen zu können:“ Goethe habe ich gelesen“ und noch viel wichtiger :“Ich habe ihn verstanden und die Geschichte, die er erzählt, ist aus meinem Leben, wie auch aus deinem.“

Er erzählt mit Witz und Ironie, mit Tragik und Leichtigkeit. Ob man ausgerechnet dieses Werk in der 13. Klasse im Deutschunterricht lesen muss, weiß ich nicht, denn es gibt bestimmt noch viele andere Werke, von berühmten oder weniger berühmten, altmodischen oder modernen Autoren, die ebenfalls grandiose Werke erschufen, dennoch ist Goethes „Faust“ auf jeden Fall eine tolle Alternative.

Jeder, der hört „Goethes Faust“, hat wohl zunächst schreckliche Assoziationen.

Man denkt an „altbackene“ Sprache, langweilige Inhalte und eine typische Moralpredigt.

Doch was einen erwartet, ist etwas ganz Anderes. Die Sprache ist nicht modern, aber es ist durchaus möglich, sie zu verstehen.

Die Geschichte ist spannend, die Personen lebendig und die Moralpredigt bleibt ganz und gar aus.

Vielleicht ist es gerade deswegen wichtig diese Lektüre zu einer Pflichtlektüre zu machen, um den Menschen die Scheu vor Goethe zu nehmen.

Nun könnte man natürlich fragen: Warum schreibt ein intelligenter Mann wie Goethe ein solches Werk, wenn er damit am Ende nichts ausdrücken will?

Das wäre jedoch falsch, denn er will durchaus etwas ausdrücken und etwas bewirken, er kritisiert und belustigt sich in seinem Stück nicht selten, doch es bleibt dem Leser überlassen, wie er es auffasst.

Den Menschen vorzugeben, wie sie sein sollten, was Goethe getan hätte, hätte er eine unmissverständliche Lehre in sein Stück eingebaut, wäre nicht effektiv. Denn Menschen müssen sich dazu entscheiden, etwas zu verändern.

Legt man es ihnen vor, sind sie nicht besser als der armselige Wagner aus Goethes „Faust“, der nichts kann, außer sich das Wissen anderer aus Büchern anzueignen.

Stünde in diesen Büchern, Kühe seinen gelb, würde er das wohl glauben.

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