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Burgschüler feiern ihre Abiturfeier mit Glamour und Hollywood-Flair
Eine schwarze Limousine fährt langsam vor. Als sie bei einer Menschentraube stehen bleibt, steigt der Chauffeur aus. Er holt den roten Teppich aus dem Kofferraum und rollt ihn auf dem Asphalt aus. Die Blicke der Menschenmenge richten sich auf die Tür der Limousine. Dann öffnet der Chauffeur endlich die Tür. Schick gekleidete Anzugträger mit Sonnenbrillen steigen aus der Limousine. Die Menge applaudiert. Ein Blitzlichtgewitter flackert auf. Die Anzugträger laufen auf dem roten Teppich und gesellen sich zu den anderen Gästen, junge Männer in edlen Anzügen und Krawatten und junge Damen mit glamourösen Abendkleidern und dünnen Halsketten.
Doch keiner von Ihnen entpuppt sich als Emma Watson und keiner als Brad Pitt oder George Clooney. Trotz des roten Teppichs steht auch keine der üblichen Oscarverleihungen bevor. Nein, und das Filmfestival in Cannes wird auch nicht zelebriert. Auf dem roten Teppich vor der Stadthalle in Friedberg haben sich die Abiturienten des Burggymnasiums versammelt, denn der diesjährige Abiball läuft unter dem Motto: „Abiversal Pictures – 13 Jahre im falschen Film“.
Und dann stürmen sie die Halle und richten ihre Blicke auf die Showbühne. Dort steht der Star-Produzent und im täglichen Leben Schulleiter, Lothar F. Korger. Er hält seine Laudatio für seine Schüler. „Heute werden Sie für Ihr Durchhaltevermögen, für Ihren persönlichen Einsatz, ihr Bemühen und Ihren Fleiß, für das Auf und Ab im Schulalltag von Jahr zu Jahr, für das Durchstehen von Erfolgen und Misserfolgen belohnt“, kündigt er in seiner Rede an, die die Preisverleihung eröffnet.
Während der vergangenen drei Jahre auf dem Burggymnasium schrieben die Schüler das Drehbuch mit ihren Noten. Als Filmkulisse dienten die historischen Mauern der Burg, das Schulgebäude mit dem Adolfsturm und der Burgkirche. Jeden Tag wurden einzelne Szenen gedreht, die nun zusammengesetzt ein Ganzes ergeben.
Insgesamt haben von 195 Schülerm 183 das Abitur bestanden, 21- mal steht eine 1 vor dem Komma. „Die Durchschnittsnote beträgt 2,65. Die Bandbreite reicht von 1,2 auf der einen Seite bis 3,7 auf der anderen Seite“, so Korger.
Kurz darauf geht ein Goldregen auf der Showbühne nieder und es hagelt die ersten Preise. Physiklehrer Kammer verleiht im Namen der Deutschen Physikalischen Gesellschaft die ersten Oskars für sehr gute Leistungen im Fach Physik an die Schüler Diana Del Nero, Lennart Frenschkowski, Yuliya Dubianok und Thomas Wendling, der zudem einen Buchpreis überreicht bekommt. Graziöse Damen mit bodenlangen Abendkleidern überreichen die nächste Trophäe an Schüler Nico Purper. Seine sehr guten Leistungen im Fach Chemie honoriert die Gesellschaft Deutscher Chemiker.
Dann ergreift Korger erneut das Mikrophon und kündigt einen Höhepunkt des Abends an: Die Verleihung des Goldenen Adolfsturms an die Schülerin Yuliya Dubianok. Vor einigen Jahren kam sie aus Weißrussland nach Deutschland, jetzt richten sich alle Scheinwerfer auf sie. Mit einem Notendurchschnitt von 1,2 brilliert sie zur besten Abiturienten.
Bernd Ulrich, der Vorsitzende des Vereins ehemaliger Burgschüler und Vertreter des Rotary-Clubs spielt eine Gastrolle. Er ehrt Thomas Wendling für das beste Abitur in Mathematik, Christoph Kozubek für besonderes soziales Engagement und Yuliya Dubianok für das beste Abitur.
Dann besteigt ein alter Haudegen die Bühne, kein Geringerer als Lothar Kreuzer, Vorsitzender des Geschichtsvereins. Zwar ohne Federhut aber mit lauter Stimme ehrt er die Schülerin Chrisine Jost.
Und dann erstrahlt die Bühne im hellen Licht. Mit Blumen und viel Händeschütteln bekommen nun alle Schüler ihr in rotem Bravour eingeschlagenes Abiturzeugnis von ihren Tutoren überreicht. Alt-Regisseur und Physiklehrer Harald Bernd hält es nicht am Bühnenrand. Er herzt alle Schüler.
Nach den Preisen und Ehrungen folgt der Unterhaltungsteil des Abends. Der Biologie-Leistungskurs von Lehrer und Kameramann Manfred Witt spielt ein Quiz, bei dem die Kollegen berühmte Filmzitate der Burg-Lehrer erraten sollten.
Die Schüler des Physik-Leistungskurses zeigen, dass sie nicht nur mit Formeln umgehen können, sondern auch mit Noten und widmen ihrem Tutor Franz Kammer, einen Rap, den Kammersong. „Du bist der Hammer, Kammer“, heißt es im Refrain. Ein stampfender Rhythmus erschallt durch die Stadthalle und hunderte Kehlen singen mit. Damit der Auftritt auch großes Kino wird, haben die Schüler auch die Untertitel eingeblendet.
Zu einer Reise durch europäische Länder lädt der Englisch-Kurs von Multi-Kulti-Produzent Norbert Klein ein mit seinem Comenius- Projekt.
Dann taucht die Bühne in ein blaues Licht und Nora Zado, Schulsprecherin und Drehbuchautorin, rückt sich das Mikrophon zurecht. Und schenkt im Namen aller Schüler dem Burggymnasium einen Baum. Er bliebe da, sie würden in alle Wind zerstreut nach neuen Ufern suchen.
„Ich denke, ich spreche für alle hier, wenn ich die Burg als eine ganz besondere Schule hervorhebe“ fügt Vertrauenslehrer und Beleuchter Lothar Drese an. Doch nach kurzen Intermezzo geht es weiter mit dem ultimativen Show-Teil.
Der Oscar in der Kategorie „Beste Filmmusik“ geht an diesem Abend an die Lehrer-Band des Burggymnasiums. Beim Auftritt von Lehrer Stefan Spielberger an der Orgel, Norbert Klein, Thorsten Weida und Arno Hesse an den Gitarren und Alexander Zipper am Schlagzeug stürmt das Publikum die Bühne und tanzt zu ZZ Top und den Stones.
Natürlich dürfen bei einem Oscar-Abend auch keine Stuntmänner fehlen. Eine Performance mit akrobatischen Elementen legt die U'll Get Served-Crew hin, in der auch der Abiturient Ousman Conteh mittanzt.
Nach der Preisverleihung fällt die Filmklappe noch lange nicht. Aus dem Abend wird eine lange Filmnacht, in der bei der Aftershow-Party neue Rollenangebote besprochen wurden. Manche Schauspieler bemühen sich bereits um neue Rollen: An den Universitäten in Gießen, Frankfurt, Berlin, München. Aber auch im Ausland. So fliegt eine Schülerin in die USA, ein anderer Schüler nach Australien. Und wer welche Rollenangebote noch bekommt, sehen sie demnächst in Ihrem Kino.---


