Zu Gast in Spanien
Auf den Spuren von Don Quichotte
Die Reise mit Flugzeug, Taxi und Zug dauerte 10 Stunden. Eine lange Reise, die sich aber lohnen sollte für die drei Lehrer des Burggymnasiums Friedberg mit ihren fünf Schülerinnen. Ungewöhnlich, denn normalerweise bestehen Schulklassen auch aus mehr Schülern. Die Reisenden waren aus anderen Gründen unterwegs. In Albacete wartete auf sie eine einwöchige Konferenz, die Comeniuskonferenz. Und so erreichten die Lehrer Norbert Klein, Olaf Czieslik und Thomas Berlenbach mit ihren Schülern am späten Nachmittag ihr Ziel.
Das Comenius-Programm der Europäischen Union fördert die projektbezogene Zusammenarbeit europäischer Schulen. Die Idee ist es auch, dass sich Deligationen aus verschieden Ländern kennen lernen und austauschen. Im aktuellen Projekt, es nennt sich „European Cosmopolitism“, treffen sich Schulen aus Spanien, Schottland, Schweden und Deutschland. Ihre Aufgabe ist es, gemeinsame europäische Wurzeln und Entwicklungen aufzuspüren, die zur Vereinigung Europas beigetragen haben.
Begonnen hatte das Projekt vor einem Jahr. Nun stand die Zeit von der Renaissance bis zum Zweiten Weltkrieg im Mittelpunkt des Interesses.
Alle Schüler und Lehrer hatten sich zuvor bestens auf diese Woche vorbereitet. Über einige Monate hinweg arbeiteten alle beteiligten Schulen an dem Thema. Jetzt tauschten sie ihre Ergebnisse gemeinsam aus. Und das ist das Wichtigste am Comenius-Projekt. Erst die Begegnung mit Schülern und Lehrern aus den anderen Ländern erfüllt das Projekt mit Leben.
Schon am nächsten Morgen ging es los mit einem Schnelllehrgang, bei dem die Teilnehmer in die hohe Kunst der traditionellen spanischen Tänze eingeführt wurden. Danach ging es an die Arbeit. Die „Comenius Gazette“ musste fertig gestellt werden. Dabei handelt es sich um eine Zeitung, an der alle beteiligten Schulen mitarbeiteten mit Artikeln zu „aktuellen“ Ereignissen des 19. Jahrhunderts. Eine aufwendige Arbeit, die an den nächsten Tagen weiterging.
Doch damit nicht genug. Es folgten die Projekte „Literarisches Cafe“ und „Menschenrechte“,
Mit Theaterstücken, computergestützten Präsentationen und einem Kurzfilm wurden Cafés oder Inns als Treffpunkte von Literaten in verschiedenen europäischen Städten dargestellt.
Mit Theaterstücken, computersgestützten Präsentationen und einem Kurzfilm wurden Cafes oder Inns als Treffpunkte von Literaten in verschiedenen europäischen Städten dargestellt.
Das zweite Projekt bot sehr Anschauliches. Aufgabe war es, die Inhalte der ersten zwanzig Artikel der UN-Menschenrechtserklärung bildlich darzustellen. Die daraus entstandenen Kunstwerke wurden in einer gemeinsamen Ausstellung in der Schule Tomás Navarro Tomás präsentiert.
Höhepunkt des Kulturprogramms war die Fahrt zur malerisch gelegenen Stadt Cuenca mit ihren hängenden Häusern und ihrer zum Weltkulturerbe zählenden historischen Befestigungsanlage.
Auf den Programm standen Führungen durch das naturwissenschaftliche Museum und das Museum für abstrakte Kunst, die einigen Schülern als etwas zu abstrakt erschien. Als überhaupt nicht abstrakt erwies sich der Besuch einer Schule für Stierkämpfer (und Stierkämpferinnen!) in der Arena von Albacete. Für die meisten Schüler eine fremde Kultur, der sie eher skeptisch begegneten. Gespannt hörten sie aber den jungen Stierkämpfern zu, die begeistert über ihren Sport (?) berichteten.
Die spanischen Gastgeber boten aber noch mehr. Sie zeigten Lehrern und Schülern ein Friedensmuseum, das einmal ein Luftschutzraum gewesen war.
Am Ende der Reise wurde traditionsgemäß ein Baum gepflanzt. Tradition hat auch die „Soirée gourmande“, ein Abend, an dem die Teilnehmer kulinarische Spezialitäten ihrer Heimatländer anbieten und an dem lange gefeiert und getanzt wird.
Lehren und Schülern wird diese Woche in Spanien in guter Erinnerung
bleiben, wenn sie auch alle müde die Rückreise antraten. Ein umfassendes Programm ließ keine Zeit für die traditionell so wichtige Siesta. Sie entfiel fast immer.
Wenig Zeit zu schlafen bleibt auch den Veranstaltern des nächstens Treffens. Das werden Schüler und Lehrer des Burggymnasiums sein. Schulleiter Dr. Lothar Korger freut sich schon jetzt auf die Gäste aus Europa.
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