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Schrift ist nicht alltäglich

Ein Professor für Typographie zeigt Schülern des Burggymnasiums die hohe Kunst der Schrift

Es ist dunkel. Er steht im Mittelpunkt des Raumes. An seiner Seite ein Diaprojektor, den er mit der linken Hand bedient. In der rechten Hand hält er ein Blatt Papier. Während sein Blick über die Zuhörer gleitet, spricht er langsam und deutlich. Dann wendet er sich  zurück zum Blatt. „Mir ist nicht nur die Abstraktion wichtig, sondern auch die Lesbarkeit“, sagt er und  zeigt dabei auf ein Bild, erzeugt vom Licht des Diaprojektors.

Dieses Bild zeigt die Fotografie einer drei Meter hohen Holzskulptur von Adam und Eva. Ungewöhnlich ist nur, dass diese Skulptur keine Figur darstellt, sondern die Buchstaben von Adam und Eva.

Ungewöhnlich ist auch, dass die Zuhörer heute keine Studenten sind, sondern Schüler des Burggymnasiums. Denn Hans Schmidt ist Lehrer. Hans Schmidt ist emeritierter Professor an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.

Heute berichtet er den Schülern des Kunst-Leistungskurses von Lehrer Alexander Zipper über seine langjährige Erfahrung mit Schriftskulpturen. Denn Kunstlehrer Ziipper legt Wert darauf, dass seine Schüler Informationen aus erster Hand bekommen. Hans Schmidt ist einer der weniges Professoren für Typografie und Buchgestaltung in Deutschland.

„Schüler sollen sich mit professionellen Künstlern austauschen. Das führt  zu neuen Impulsen für ihre Arbeit“, so Alexander Zipper. Die neu gewonnenen Ideen können die Schüler gleich umsetzen: sie sind nun aufgefordert Film- und Theaterplakate zu gestalten und sich damit auseinander zu setzen. Die Schüler fertigen zusätzlich zu den Plakaten ein Work-Book (Arbeitsbuch) an. Es dokumentiert, wie das Filmplakat entstanden ist – vom weißen Blatt zum fertigen Kunstwerk. Um ein Filmplakat zu entwerfen, brauchen die Schüler ein Motiv. Das sind sie selbst. Sie verkleiden sich als Olimpia aus Hofmanns „Sandmann“ oder Schillers „Maria Stuart“. Davon machen sie Fotos. Die Fotos sind aber nur ein Teil des Plakats. Auch die Schrift will überlegt sein, dabei hilft Hans Schmidt, der Professor für Typologie.

„Für mich ist die Schrift das Wichtigste“ meint Alexander Zipper. „Die Schüler sollen nicht nur für abstrakte Themen sensibilisiert werden, sondern etwas Alltägliches - wie die Schrift - neu entdecken.“Einige Schüler entwickeln ihre Schriftarten mit Hilfe des Internets, andere spielen mit der Form der Buchstaben, lassen sie größer und kleiner werden, geschwungen oder eckig. Dabei geht es nicht nur um ein einzelne Buchstaben, sondern um so genannte Buchstaben-Beziehungen. Buchstaben verbinden sich und rücken enger zusammen. So erscheinen bereits diese wenigen Buchstaben als einzelne Kunstwerke.Am Ende der Stunde stellt sich Hans Schmidt den Fragen der Schüler. Sie wollen wissen, wie seine Kunstwerke entstanden sind und fragen nach Tipps für eigene Arbeiten.Ein Filmplakat mit Schulleiter Dr. Lothar Korger ist noch nicht entworfen – soll aber in Arbeit sein.

Presse AG des Burggymnasiums Friedberg

Yuliya Dubianok – Karsten Schmehl – Dr. Hans Rubinich