Auf dem Drahtseil

Burgschüler liegen in den Seilen - Ein Erfahrungsbericht von Englischlehrerin  Heike Stüwe

Die schriftlichen Abiturarbeiten sind geschrieben. Einzig die mündlichen Prüfungen stehen noch aus und der Abiball in der Stadthalle. Schulleiter Dr. Lothar Korger feilt schon an der Abschlussrede. Und dann läutet es zur letzten Stunde.

Die Frage die sich mir, und bestimmt anderen Kollegen jetzt stellt, ist: Wie verabschiede ich mich von meinen Schülern? Wie fällt mir der Abschied einfacher? Und wie mag es ihnen nun ergehen?

Meine Schüler nehmen mir die Antworten auf alle diese Fragen ab. Sie schlagen vor in einen Seilgarten zu gehen.  „So haben wir angefangen und das wäre jetzt ein schöner Abschluss unserer Schulzeit“, sagt Schülerin Lisa.

In der Tat, zu Beginn unserer gemeinsamen Zeit am Burggymnasium in Friedberg hatte ich „meine“ elfte Klasse in einen Seilgarten entführt. Da wachsen keine Blumen, sondern Schüler sind aufgefordert zusammen Aufgaben zu meisten. Teamfähigkeit ist also gefragt. Die Rechnung ging damals auf. Aus einer Gruppe zufällig zusammen gewürfelter Individuen  formte sich eine Klassengemeinschaft, die sich von Anfang an – dem Seilgarten sei Dank –  gegenseitig vertrauten und unterstützten.

Eine solche Aktion ist insbesondere an unserer Schule sinnvoll, da das Burggymnasium ein reines Oberstufengymnasium ist; die Schüler der Jahrgangsstufe 11 kommen aus verschiedenen Schulen im Wetteraukreis und sollen sich bei uns nun neu einfinden und gut miteinander auskommen.

Am Anfang ist es für mich als Lehrerin wichtig, behutsam dabei zu sein, wenn  Schüler erste Kontakte knüpfen, sich kennen lernen, langsam zueinander Vertrauen gewinnen. Damit so was gelingt, bietet sich ein Seilgarten an, eine erlebnispädagogische Aktion in der Natur, in der es darauf ankommt sich zu gegenseitig zu stützen und zu bestärken. Jeder einzelne hat die Chance sich auszutesten, aber gleichzeitig auch zu erleben, wie wichtig es ist, in einer Gruppe Halt zu finden.

Wir wählen den Hochseil-Parcour des gemeinnützigen Vereins AGBS e.V. „Aktionsgemeinschaft bewegungsorientierter Sozialarbeit“ in Dietzenbach. In ihrem Garten lauert nicht die Gefahr und kein Nervenkitzel durchfährt schwache Nerven.  In diesem Seilgarten geht vielmehr darum, Teamverhalten, Selbstvertrauen, Stressbewältigung und Sozialkompetenz zu schulen.

Trainer Harald Assmann leitet meine Gruppe. Er stimmt sie ein mit einer ruhigen Übung. Die Schüler sind aufgefordert sich mit geschlossenen Augen in ein langes Seil zu legen und dabei zu spüren, wie  die Gruppe sich gegenseitig Halt gibt. wie jeder den anderen unterstützt.



Die nächste Übung fordert die Schüler heraus, einen Parcours zu meisten. Er ist zwar nur wenige Zentimeter hoch, mit  Baumstümpfen bestückt, doch ihn alleine zu meistern scheint fast unmöglich. Nur durch Absprachen und gemeinsame Strategien wird das Ziel erreicht. Fehlversuche, die es unweigerlich gibt, werden mit dem Neubeginn der Übung „geahndet“. Auch das ist wichtig: Misserfolg muss einkalkuliert und bewältigt werden. Nach zwei weiteren Übungen in niedriger Höhe bestätigt sich die Vermutung: Verdacht: gemeinsam sind wir stark!

Mittagszeit. Die Sonne steht schon hoch. High Noon.  Auf meine Schüler wartet  die „Burma-Brücke“. Harald Assmann teilt Klettergurte und Helme aus und achtet mit Argusaugen darauf, dass sich die Schüler ordnungsgemäß einkleiden. Schließlich sollen sie sich nun in acht  Metern Höhe beweisen.



Doch zuvor geht es über eine Strickleiter zu einem Baum, an dem ein Podest verankert ist. Christina ist die erste, sie hangelt sich an der wackeligen Leiter hoch. Die Mitschüler beobachten jeden ihrer Tritte. In ihren Händen halten sie ein Sicherungsseil. Sollte Christina  abrutschen, könnten sie ihre Mitschüler noch abfangen.

Christina robbt sich weiter und nach acht Meter hat sie ihr Ziel erreicht. Sie betritt das Podest und blickt zum nächsten Baum, der durch drei Drahtseile (zwei für die Hände, eins für die Füße) mit dem Baum verbunden ist, auf dem sie steht.

„Wir haben dich sicher“ rufen die Mitschüler ihr von untern zu. Dann wird es still. Alle konzentrieren sich. Christina setzt den Fuß auf das Seil, dann den anderen. Sie atmet ruhig. Dann zieht sie den Fuß nach und setzt ihn langsam wieder auf. „In der Mitte ist das Geschaukel am schlimmsten“ wird Christina später ihren Mitschülern sagen und fragen: „Wer will jetzt?“



Am Ende des Vormittags sind 12 von 13 Schüler über die „Burma-Brücke“  gelaufen.  Eine Schülerin hat das Podest in 8 Metern Höhe erklommen, bevor sie sich entschied, lieber wieder auf den Boden hinabzuschweben. Alle fühlen sich stark

Ob jemand noch Lust auf eine kleine Kletterübung auf der „Himmelsleiter“ hat, will Trainer Harald von meinen Schülern wissen. Na klar! Meine Schüler sind neugierig geworden.

Die „Himmelsleiter“ reicht zwar nicht bis zum Himmel, doch die Sprossen haben es in sich. Sie liegen mehr als einen Meter auseinander. Schon die zweite Sprosse lässt sich  nicht mehr alleine erklimmen. Zweierteams bilden sich und dann reicht Harald noch ein Hilfsmittel hinauf: ein kurzes Seil.

Wie soll das beim Erstürmen der Himmelsleiter helfen? Nun, das wollen wir an dieser Stelle natürlich nicht verraten – schauen Sie doch selbst mal mit Ihrer Klasse in Dietzenbach vorbei. Anmelden können Sie ihre Gruppe unter der Telefonnummer 06074/483142 oder externer Hyperlink in neuem Fenster öffnen www.agbs-ev.de.