Von der Bühne ins Klassenzimmer
New Yorker Schauspieler Jolie Garrett begeistert die Schüler des Burggymnasiums.
„Lets put some action to the lines!“ (Lasst uns die Zeilen beleben!) fordert eine tiefe Stimme auf. “Overplay the emotions!” (übertreibt die Emotionen!) fährt sie fort. Die Stimme gehört einem Mann. Er hält ein Skript in der einen Hand und mit der anderen deutet er aufs Publikum. Wie ein Dirigent mit seinem Taktstock fixiert er die Person, die seinen Kommandos folgen soll, oder zieht mit seiner freien Hand Kreise in der Luft. Es wandert sein Blick fließend über die Zuschauer hinweg, über die Bühne und wieder zurück zum Manuskript. Der Zuschauer gewinnt den Eindruck, dass dieser Mann weiß, was er tut.
D
Dieser Mann ist kein Dirigent und auch kein Lehrer. Jolie Garrett ist professioneller Schauspieler aus New York. Seine Bühne tauscht er heute ein gegen einen Klassenraum des Burggymnasiums.
Englischlehrer Michael Hippenstiel hat ihn als Othello auf der Theaterbühne in Buffulo gesehen und kennen gelernt, beide fanden sich auf Anhieb sympathisch und es entstand eine bisher einmalige Idee. Jolie Garrett wollte schon immer mal nach Europa reisen und was liegt da näher als die Metropole der Wetterau Friedberg zu besuchen. Und bei der Gelegenheit könnte er den Schülern des Burggymnasiums gleich mal seine Schauspielkünste demonstrieren.
„I always start to break the ice by doing some gymnastics“ (Ich versuche immer das Eis mit ein paar Gymnastikübungen zu brechen), so beginnt Jolie Garrett seine erste Stunde am Burggymnasium in den Englisch Leistungskursen von Sabine Hatt und Irmi Mangels. Jolie zeigt den Schülern, was sie machen sollen: Dehnen, den Kopf kreisen lassen, sich ausschütteln und die Arme in die Höhe strecken – die letzten Übungen bevor es ernst wird.
Jeder Schüler bekommt eine Phrase aus dem Shakespeare Stück „Romeo & Juliet“ und liest ihn dann laut vor. „Create the atmosphere with sounds and emotions!” (Erschafft eine Atmosphäre durch Geräusche und Emotionen!). Gesagt – getan: plötzlich lesen alle ihre Phrase anders: Ob confused (verwirrt), crazy (verrückt), motivated (motiviert), angry (böse) oder joyful (freudig) – es kommt Leben in die Zeilen.
Einige mutige Schüler treten in die Mitte des Klassenzimmers, rezitieren eine ganze Szene aus „Macbeth“ und entwickeln selber ein weiteres Mal die passende Atmosphäre zum Stück. „Well done!“, lobt Garrett und lächelt zufrieden. Das Highlight folgt am Ende der Stunde. Garrett spielt selbst eine Szene aus Macbeth. Er setzt sich auf einen Stuhl und blickt auf den Boden. Sekunden vergehen. Dann steht Macbeth auf greift nach einem imaginären Dolch – fast stürzt er dabei. Er schwankt, denn Macbeth weiß nicht, ob er seinen Widersacher umbringen soll oder nicht.
Die Schüler beobachten ihn sehr konzentriert. Und verfolgen jeder seiner Bewegungen – eine mehr als gelungene Schulstunde.
Garrett verlässt unter viel Beifall den Klassenraum, mit dem Rucksack auf der Schulter und eilt zu Schulleiter Dr. Lothar F. Korger. Er lädt ihn zu einem Kaffee ein, lässt sich alles berichten und wünscht Garrett viel Glück auf seiner Europareise. Denn jetzt geht es nach Amsterdam, die nächste Stadt, die Jolie Garrett erobern wird.
Presse AG des Burggymnasiums Friedberg
Yuliya Dubianok – Karsten Schmehl
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