Stipendium öffnet die Tore des modernen Hogwarts

Der Burgschüler Daniel Stojanovski erobert die Eliteuniversität St. Andrews in Schottland.

Zwischen dunkelroten Mauern huscht eine Gestalt mit einer roten Robe. Ihr schneller Schritt streift eine blau-rote Flagge, die an einer Wand hängt. Durch den Luftstoß flattert die Fahne der Gestalt hinterher. An den Wänden hängen schwarze Messinghalter mit großen weißen Kerzen, die der Windstoß fast ausbläst. Es ist Totenstille auf dem Gelände, die Steinmauern reflektieren keinen einzigen Ton. Die Robe verschwindet in einem Seitengang, der zur Bibliothek führt. Die dunkle Gestalt betritt den Raum. Meterhohe Leitern stehen an Bücherregalen, in denen kaum noch Bücher stehen. Hunderte Hände haben sie in den vergangenen Tagen entnommen. Auf einem Eichentisch in der Ecke des Raums lässt die Gestalt ihre rote Robe fallen und widmet sich einem Stapel Bücher, der auf der Tischplatte aufgebaut ist. Es ist die Zeit der Klausuren an der Eliteuniversität im schottischen St. Andrews. Der Student Daniel Stojanovski bereitet sich auf seine Prüfungen vor. Er studiert Internationale Beziehungen und Management. „Es ist ein bisschen wie in Hogwarts“, meint Daniel und lächelt.

Drei Jahre vorher. 2005 lernt Daniel Stojanovski in den Mauern des Burggymnasiums für das Abitur. Der erste Schritt für seine Karriere ist getan – Abi 1,1. Es folgen ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Indianerreservat in den USA, ein Praktikum im Bundestag und schließlich die Bewerbung um ein Stipendium bei der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Auch dies gelingt, da ihm ein Lehrer ein glänzendes Gutachten ausstellt und sich Schulleiter Dr. Korger für ihn einsetzt. Das hat er sich dadurch verdient, da er sich innerhalb sowie außerhalb der Schule engagiert: er spielt in der Musical-AG, singt im Chor, besucht mit dem Comenius-Projekt andere Schulen im Ausland und tanzt sich zum Vize-Hessenmeister im Latein- und Standardtanz. Davon profitiert Daniel beim „Self-Branding“, also der Akzentuierung seiner Fähigkeiten, während dem Auswahlverfahren für das Stipendium und erfüllt damit auch alle Kriterien wie soziale Kompetenz, politisches Engagement sowie Sport und Musik.

Nur ein Achtel der Bewerber ergattern ein Stipendium. Dank seines Vortrages über „die Unterschiede zwischen Machiavelli und Kant“ vor der Stipendiumskommission, gehört der ehemalige Burgschüler dazu.

 

 

Zurück in die Bibliothek von St. Andrews. Daniel hat heute noch etwas zu erledigen. Er lernt nicht nur für Klausuren, sondern die Universität erwartet auch großes soziales Engagement von ihm. Daniel fungiert als Vize-Präsident der Management sowie der Tanzgesellschaft, organisiert Tanz- sowie Charity-Veranstaltungen und ist Mitglied im ältesten Debatierclub Großbritanniens.

Anders als in Deutschland ist dies ins Studium durch Zeit für Sport, Freunde und Soziales integriert und gefordert. Was Daniel besonders schätzt sind die Freundschaften mit Kommilitonen aus aller Welt. Die Elite der Welt trifft sich in St. Andrews – „dies schafft Motivation statt Frustration“, erklärt Daniel.

Einziger Wehrmutstropfen sind die Studienkosten, sie belaufen sich auf knapp 3000 Euro im Jahr. Das Stipendium reicht gerade einmal für die Miete seines Zimmers. Daniel muss also noch einiges Geld zusätzlich aufbringen.

Diese Kosten nimmt Daniel gerne auf sich. Denn bevor er in Singapur oder in den USA als WTO Mitarbeiter oder Diplomat für Internationale Beziehungen arbeiten will, muss er seine rote Robe gegen den Doktorhut in Oxford eintauschen.  Dort wird Daniel promovieren – die nächste Stufe auf seiner großen Karriere.

Tobias Arnold – Kathrin Gildner – Steffen Gewehr – Yuliya Dubianok – Karsten Schmehl  

Presse AG des Burggymnasiums Friedberg, unter der Aufsicht von Dr. Hans Rubinich.