Das Burggymnasium Friedberg unter der Lupe

Schulinspektoren präsentieren erste Ergebnisse

Positiv fielen dem Inspektorenteam die hohe Lerneffizienz und das gute Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern auf. Die drei Inspektoren, Frau Heiser, Frau Siegfried und Herr Ulmke, bemängelten allerdings den schlechten baulichen Zustand und die mangelhafte Ausstattung der Schule.

Drei Tage lang sahen sich die Schulinspektoren  im Februar das Burggymnasium in Friedberg an und präsentierten kurz darauf dem Kollegium und der zuständigen Schulamtsdezernentin, Frau Dr. zur Heiden, ihre Ergebnisse.

Im ersten Teil ihrer Präsentation gingen die Inspektoren auf die „Voraussetzungen und Bedingungen“ für die Arbeit am Burggymnasium ein. Sie wiesen auf den teilweise bedenklichen baulichen Zustand und fehlende Geräte und Materialien hin und konstatierten: „Die Anforderungen, die an einen modernen Oberstufenunterricht zu stellen sind, können aufgrund der Schulgebäude und ihrer Ausstattung, Pflege und Gestaltung nicht erfüllt werden. Vereinzelt gehen von den Gebäuden Gefahren bzw. Gefährdungen für Leib und Leben der hier Arbeitenden aus.“

In diesem Zusammenhang sei darauf hinzuweisen, dass die Schule zur Zeit umgebaut werde.



Der geplante Erweiterungsbau

Das Schulinspektorenteam sprach auch das vorhandene Schulprogramm an, das noch stärker als Entwicklungsinstrument genutzt werden könne.

Danach wurden Qualitätsaussagen zu „Führung und Management“ der Schule getroffen. Dem Schulleiter, Herrn Dr. Lothar Korger, wurde bescheinigt, dass er „leicht ansprechbar und offen“ sei. Als zentrale Steuerungsprinzipien der Schulleitung wurden „Transparenz, Delegation und Partizipation“ benannt.

Die „Professionalität der Lehrkräfte“ drücke sich unter anderem in deren Bereitschaft zur Teilnahme an Fort- und Weiterbildungen aus. Zudem gebe es regen Austausch von Wissen und Erfahrungen, welcher eher informell und weniger systematisiert sei. Auch hier wirke sich die räumliche Situation negativ aus, da es nur ein zu kleines gemeinsames Lehrerzimmer gebe.

Dessen ungeachtet vermittle es sich auch den Schülerinnen und Schülern, dass sich die Lehrkräfte über Unterrichtsinhalte und die Lern- und Persönlichkeitsentwicklung einzelner Schülerinnen und Schüler rege austauschten. Defizite fänden sich bei der Weiterleitung einzelner Informationen, die nicht allen Mitgliedern der Schulgemeinde gleich zugängig seien.

Der fünfte Beobachtungsschwerpunkt war die „Schulkultur“, für die ein „in der Regel in allen Bereichen freundlich[er] und unterstützend[er]“ zwischenmenschlicher Umgang als prägend erkannt wurde. Dies führe dazu, dass sich die Schülerinnen und Schüler ernst genommen fühlten. Zusätzlich werde ihnen Eigeninitiative abverlangt und die Übernahme von Verantwortung ermöglicht, wozu sie allerdings noch stärker ermutigt werden könnten.

Die Eltern seien an der Schule – vor allem aufgrund der großen Zahl volljähriger Schüler und Schülerinnen – weniger eingebunden.

Die Schulinspektoren erwähnten überdies das hinreichende Beratungsangebot und die gute Ansprechbarkeit der Lehrer auch außerhalb des Unterrichts.

Die Öffnung der Schule nach außen lässt sich nach Meinung der externen Beobachter an der Zusammenarbeit mit anderen Schulen und mit außerschulischen Institutionen erkennen. Durch einen Austausch mit Frankreich und die Teilnahme an Comenius-Projekten verfüge das Burggymnasium zusätzlich über internationale Kontakte.

Vor dem Besuch der Inspektoren hatte das Institut für Qualitätssicherung (IQ) Lehrer, Schüler und Eltern gebeten, die Schule mittels eines Fragebogens zu bewerten.

Die Auswertung dieser Fragebögen und die Beobachtungen im Unterricht führten zu Aussagen zum Thema „Lehren und Lernen“, die im sechsten Teil des Vortrags vorgestellt wurden. Hierbei wurden die Ergebnisse in Punktwerten ausgedrückt. Die Skala reichte von 0 bis 4, wobei 4 der beste zu erreichende Wert war.

Für den verständnisvollen und wertschätzenden Umgang der Lehrerinnen und Lehrer mit den Schülerinnen und Schülern und für die lernwirksame Nutzung der Unterrichtszeit wurden die besten Werte vergeben (je 3,2). Als charakteristische Stärken des Burggymnasiums wurden daneben die

Identifikation der Schulgemeinde mit ihrer Schule und das lernförderliche Klima genannt, während kooperative Lernformen nur teilweise wahrgenommen wurden (2,0).

Eine ausführlichere Darstellung der Einzelaspekte soll der Schule und dem Schulamt in einigen Wochen zugestellt werden. Sie dient als Grundlage für gemeinsame Zielvereinbarungen.

Schulleiter Dr. Korger nahm den Bericht sehr interessiert zur Kenntnis, wies aber darauf hin, manche von den Inspektoren verwendeten Textbausteine seien „nicht auf eine gymnasiale Oberstufe uneingeschränkt zu übertragen“. Zudem stellte er einige Beobachtungen und Schlussfolgerungen in Frage. So bemängelten die Schulinspektoren, dass nicht alle Musikinstrumente im Musiksaal voll funktionsfähig seien. Herr Korger stellt dem entgegen, dies seien sie schon, einige seien „allerdings bewusst aufgeschnitten, um im Theorieunterricht das diesbezügliche ‚Innenleben’ zu veranschaulichen“.

Die Inspektoren bemängelten zudem, dass es Probleme bei der Weitergabe von Informationen gebe. Schulleiter Korger wies jedoch auf den zentralen Mitteilungskasten für die Schülerschaft hin, in dem Informationen zeitnah veröffentlicht würden, die von den Lehrern im Lehrerzimmer gleichzeitig zur Kenntnis genommen würden.

Die Inspektoren gingen schließlich davon aus, dass das Burggymnasium einen eigenen Schulgarten habe. Der als solcher bezeichnete Bereich mit einem kleinen Amphitheater unterhalb der Burg gehöre allerdings der Stadt, sodass das Theater für Aufführungen immer angemietet werden müsse.

Die Vorlage des schriftlichen Berichts wird das Ende der Inspektion markieren. Der Schule bleibt es dann vorbehalten, eine genaue Auswertung vorzunehmen und darüber zu entscheiden, inwieweit die Ergebnisse zur Weiterentwicklung der Schule genutzt werden können.

Eine erneute Schulinspektion ist frühestens in fünf Jahren vorgesehen.