Aufführung über das Thema „Zeit“    Schauspieler    Brecht in der Burg    Theater im Burggarten 2007

Brecht in der Burg



Burg-Theater Friedberg präsentiert Brecht-Abend am Burggymnasium Friedberg.

„Ihr müsst Emotionen zeigen!“, so der Regisseur Ralf Voss vor seinem Stück zu seinen Schülern. Diese sitzen um die Bühne herum. Hinter ihnen prangt eine Leinwand mit der Friedberger Burg gemalt von Lehrer Kurt Schönewolf. Nur noch wenige Minuten bis es losgeht. Die Zuschauer sitzen bereits, als die Musiker ihre Plätze an Piano, Schlagzeug und Bass einnehmen. Ein Mann mit weißem Hemd, schwarzer Weste und Zylinder betritt die Bühne. Am Ende seines Monologes gibt er seine Identität preis: „Ich bin Bert Brecht“. Brecht nimmt Platz, um ihn herum Schüler des Burggymnasiums und zwei aus der Gehörlosenschule. Sie führen an diesem Dienstagabend das selbst inszenierte Stück „Brecht in der Burg“ auf, Schauplatz ist die Turnhalle.

Bert Brecht wird natürlich selbst durch diesen Abend führen. Zu hören und zu sehen gibt es 35 Gedichte und Prosa-Texte, sechs Songs aus der „Dreigroschenoper“ und sieben Szenen-Ausschnitte.


Von den Schauspielern erheben sich eine Dame und ein Herr. Sie trägt schwarze Lederstiefel und einen schwarzen Rock bis knapp über die Knie. Eine Kette baumelt um ihren Hals und an ihren Händen klirren die Handschellen. Er, mit schwarzer Hose, weißem Hemd und Hosenträgern, schmiegt sich locker an die leichte Dame und zieht sie an ihren Handschellen zu sich. Beide schwärmen von Bordellen und singen die bekannte „Zuhälterballade“. Die Schülerin Anne Richter spielt in dieser Szene die Prostituierte mit Jarom Görts als Mackie Messer.

Besonders stolz ist Brecht auf die vier Versionen der Liebeslyrik „Erinnerungen an die Marie A.“. Einmal voller Euphorie, das nächste auf Türkisch, eins in der Gebärdensprache und eine Version kommt verächtlich und teilnahmslos daher.

Nicht nur mit den Stimmen jonglieren die Schüler, auch bei den Requisiten beweisen sie Einfallsreichtum und Kreativität. Bei der Szene „Baal“ betrinkt sich der Darsteller wankt und wirft voller Zorn ein Stapel Blätter in die Luft. Spielzeugkanonen richten sich aufs Publikum bei dem „Kanonensong“ und bei „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ peitscht ein Vorgesetzter einen Arbeiter. Eindrucksvolle Inszenierungen, auf die nicht nur Schulleiter Dr. Lothar Korger stolz sein kann.

Am Ende der Vorstellung zeigt auch Regisseur Voss Emotionen, als Mackie Messer ihn beim Schlusslied auf die Bühne zerrt. Es bleibt Lehrer Voss nichts übrig – er muss mitsingen. Glücklicherweise stimmen alle Schauspieler mit ein, auch Bertolt Brecht.

Text: Presse-AG des Burggymnasiums