Als das Abitur noch ein Privileg war

Jubiläum zum 60jährigen Abiturjahrgang am Burggymnasium

„Vor 60 Jahren haben wir zum letzten mal als Schüler das Portal am Burgtor betreten, aber das Schlagen der Burgkirche haben wir noch immer im Ohr“ So Walter Ruppenthal, einer von 35  Abiturienten, die im Jahre 1947 ihr Abitur am damaligen Aufbaugymnasium Friedberg abgelegt haben. Vor ein paar Tagen trafen sich die mittlerweile leicht betagten Herrschaften wieder in Friedberg. Das Treffen stand  unter dem Motto „ Meilenstein Nummer 60“. Schulleiter Dr. Lothar Korger begrüßte am vergangenen Donnerstag die Ehemaligen des Abiturjahrganges 1947 am Burggymnasium. Erstmalig waren anlässlich dieser Feststunde auch Schüler der neu eingerichteten Presse AG des Burggymnasiums in Aktion.

„Ich hatt’ einen Kameraden / Einen besseren findst du nit’,“ so Helmut Ritter in seiner Rede an die fehlenden Kameraden in der Burgkirche. Dreizehn von ihnen sind bereits gestorben, aber diejenigen, die zur Feier nach Friedberg kamen sind dankbar und erinnern sich gerne an damals.

Damals – 1947 war das Burggymnasium  noch lange keine reine Oberstufe, sondern ein Aufbaugymnasium. Der Jahrgang 1947 war ein besonderer. Aufgrund des Krieges herrschte unter den Schülern ein Altersunterschied von bis zu zehn Jahren, außerdem wurde 1947 das erste richtige Nachkriegsabitur abgelegt. Vor 60 Jahren war dies noch keine Qual, sondern ein Privileg. Eine ganz andere Zeit eben.

Einige Schüler hatten nur zwei Minuten Schulweg zum Unterricht, andere kamen mit dem Nachtzug. Schließlich lebten einige nur ein paar Meter von der Schule entfernt und schliefen auch dort – im so genannten „Kasten“. Das Burggymnasium war früher ein Internat und im „Kasten“ ist heute das Verwaltungsgebäude der Schule. Auch das Abitur stand in einem ganz anderen Licht als heute. Stress – ein Fremdwort. Während das Abitur heute als stressigste Phase eines Teenagers und eher als Last gilt, so steht dies im absoluten Kontrast zu früher. Vor 60 Jahren war es ein Privileg sich so hoch bilden zu können, und dafür sind die Herrschaften auch heute noch dankbar. Dankbar auch für die große Kameradschaft, die bis in die heutige Zeit reicht.

Los ging es beim diesjährigen Treffen in der Burgkirche. An der Orgel: Willi Stoll, auch einer der Jubilare und lange Zeit Musiklehrer an der Augustinerschule. Bevor alte Fotos herausgekramt wurden, ging es vorher zu Schulleiter Dr. Lothar Korger. Es war eine große Freude für den Oberstudiendirektor die  „Drei 'S' “ anzubieten: Saft, Sekt und Selters. Denn den Abschlussjahrgang kennt Herr Dr. Korger schon länger. Vor zehn Jahren, zum 50. Jubiläum war es seine erste Amtshandlung, als Direktor des Burggymnasiums die Herrschaften in Empfang zu nehmen. Bei einem kleinen Empfang erzählten die Anwesenden von alten Zeiten, im so genannten Sitzungszimmer, in dem das gemütliche Beisammensein stattfand, erinnerte man sich an die 13 Stockbetten, die hier in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts im sogenannten „Schlafsaal 26“ standen. Ausgetretene Treppenstufen findet man im Verwaltungsgebäude des Burggymnasiums zwar heute nicht mehr, dennoch gab es Anlass zum Austausch vieler Erinnerungen. Alle Anwesenden waren sich einig, dass die Zeit in diesen Gemäuern stark prägend war. Am Ende der gemütlichen Erzählstunde überreichten die Jubilare eine großzügige Spende an Dr. Korger und versprachen bald wieder zu kommen und eventuell in einen Austausch mit derzeitigen Burgschülern zu gehen.

Presse AG des Burggymnasiums Friedberg