Abitur - und was dann?
Gedanken zur Berufs- und Studienorientierung am Burggymnasium
Was soll jungen Menschen auf ihrem Weg mitgegeben werden?
Fähigkeiten und Fähigkeiten im „Wissensbereich“ sind nach dem Selbstverständnis des Burggymnasiums zu wenig. Ein Blick ins Schulprogramm zum Thema „Berufs- und Studienorientierung“ zeigt dies:
„Die in der gymnasialen Oberstufe … zu erwerbenden Kenntnisse und Fähigkeiten werden über eine fachlich fundierte, vertiefte allgemeine und wissenschafts-propädeutische Bildung und eine an den Werten des Grundgesetzes, der Hessischen Verfassung und an den in §§ 2 und 3 des Hessischen Schulgesetzes festgelegten Grundsätzen orientierte Erziehung vermittelt. (...).
Unterrichts- und Erziehungsarbeit in der gymnasialen Oberstufe … greifen auch Aspekte der Berufs- und Arbeitswelt auf und bereiten auf die Berufs- und Arbeitswelt vor.
Gründliche Informationen über Berufsfelder sowie über Strukturen und Anforderungen des Arbeitsmarktes sind daher erforderlich.“
Wie bemühen wir uns am Burggymnasium diesen Aspekten gerecht zu werden?
1. Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit.
Berufsberater der Agentur für Arbeit kommen seit Jahren in die Räume des Burggymnasiums um zu informieren und zu beraten. Die Schülerinnen und Schüler müssen also nicht erst nach Gießen oder gar nach Frankfurt fahren.
Den ersten Kontakt zur Berufsberaterin/zum Berufsberater soll die neu konzipierte Veranstaltung „Wege nach dem Abitur“ eröffnen. Sie hat das Ziel auf einer niedrigen Schwelle innerhalb der Tutorengruppe, nach den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit zu ersten Fragen im Zusammenhang mit ihrer persönlichen Berufswahl zu erörtern und die beratende Person kennen zu lernen. Dabei hat natürlich ebenso die Frage Platz: „Kann ich auch ohne Abitur glücklich werden?“
Im monatlichen Rhythmus werden dann 30-minütige, ausführliche, individuelle Beratungen angeboten. Das heißt, es besteht die Möglichkeit im Gespräch unter vier Augen das weitere Vorgehen des persönlichen Berufswahlprozesses zu planen.
Einmal jährlich lädt die Agentur für Arbeit Oberstufenschüler in die Stadthalle Friedberg zu den so genannten „INFO-TAGEN“ ein. Es informieren Experten über bestimmte Arbeitsfelder wie Kaufmännische Berufe, Ingenieur im Beruf, Arbeitsfeld Soziales usw.
2. Kontakt zu den Hochschulen
Den Schülerinnen und Schülern wird in den Jahrgangsstufen 12 und 13 die Möglichkeit gegeben an den Hochschul-Informations-Tagen der Justus-Liebig-Universität Gießen sowie der Fachhochschule Gießen-Friedberg teilzunehmen. Die Verantwortlichkeit für Organisation und Durchführung liegt bei den Tutorengruppen. In der Regel werden die Gruppen in der Jahrgangsstufe 12 von ihrer Tutorin/ihrem Tutor begleitet. Mitunter hört man, dass dies zum „Event“ wird, z.B. mit dem Tenor: „Wir besuchen die Uni (eine bestimmte Fachschaft) und testen die Mensa.“ In der Jahrgangsstufe 13 sollen die Schülerinnen und Schüler an diesen Tagen selbstständig die Hochschulen besuchen um dann in den Tutorengruppen das Erlebte zu reflektieren.
Jedes Jahr im November bietet die Fachhochschule Gießen-Friedberg (Abteilung Friedberg) zusätzlich eigene Informationstage (FIT) an. Die teilnehmende Gruppe wird auf diesen Besuch vorbereitet (Themen: Vergleich zwischen Uni und FH; Was ist das Spezifische an der FH Friedberg?) und von einer Lehrkraft begleitet.
Ziel dieser genannten Veranstaltungen ist es etwaige Schwellenängste abzubauen und die Schülerinnen und Schüler zu ermuntern sich eigenständig kundig zu machen.
3.Bewerbungstraining
Neben diesen berufskundlichen und studienorientierenden Veranstaltungen sollen Schülerinnen und Schüler befähigt werden, sich erfolgreich zu bewerben. Hierzu arbeiten wir mit außerschulischen Institutionen wie z.B. Krankenkassen zusammen. Die Hilfestellung dieser Bewerbungstrainings umfasst Bewerbungsunterlagen, Informationen über Tests, Üben von Vorstellungs- und Gruppengesprächen.
Die Tutorengruppen als „Keimzelle“
Wie zu ersehen ist, werden die Tutorenstunden zur Vor- und Nachbereitung dieser Veranstaltungen genutzt. Das der Berufs- und Studienorientierung zu Grunde liegende Konzept setzt dabei ganz bewusst auf:
• das Engagement der Tutorinnen und Tutoren die Prozesse zu begleiten,
• die Eigen- und Mitverantwortung der Schülerinnen und Schüler.
Betriebspraktikum in der Oberstufe?
In der Oberstufe kann ein Berufspraktikum im Gegensatz zur Mittelstufe komplexere Zugänge zu einem Berufsfeld eröffnen. Für die Schülerinnen und Schüler kann es zu einer Bereicherung beitragen. Auch wenn man sich diesem Aspekt anschließt, so stehen nicht zu unterschätzende schulorganisatorische Sachzwänge eines reinen Oberstufen-Gymnasiums dagegen. Werden diese Zwänge eine nicht zu überwindende Hürde zu sein? Über das Thema weiter nachzudenken scheint mir im Sinne der Schülerinnen und Schüler durchaus lohnend.
Manfred Witt
(Berufs- und Studienorientierung)